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arrowonly.JPG (2018 bytes) Jährliche Übersicht über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten

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AMERIKA

Einleitung

Argentinien

Barbados

Bolivien

Brasilien

Chile

Costa Rica

Dominikanische Republik

Ecuador

El Salvador

Guatemala

Haiti

Honduras

Kanada

Kolumbien

Kuba

Mexiko

Nicaragua

Panama

Paraguay

Peru

Venezuela

Vereinigte Staaten von Amerika

 

AMERIKA

Einleitung

Lateinamerika

Nirgendwo ist eine Klausel über Arbeitnehmerrechte in Handelsabkommen dringender erforderlich als in Lateinamerika, wo es immer noch zu den schlimmsten Formen der Rechtsverletzungen kommt. Bedauerlicherweise haben die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen in Amerika diese Notwendigkeit ständig ignoriert.

Deregulierung, Privatisierung und Sparmassnahmen sind weiterhin an der Tagesordnung und führen zum Abbau von Arbeitsplätzen, Preiserhöhungen und Lohnhöchstgrenzen. Arbeitnehmerproteste gegen ihre sich verschlechternde Lage treffen oft auf Gewalt und führen häufig zum Tod. Ein Generalstreik in Bolivien, der durch Preiserhöhungen und den Abbau von Arbeitsplätzen verursacht wurde, führte zu gewaltsamen Zusammenstössen mit der Polizei, bei denen mehrere Personen getötet und viele verletzt wurden. In Ecuador wurden wenigstens drei Personen bei Protesten gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung getötet. Es gab ausserdem Anzeichen für ein Wiedererstarken der Aktivitäten der Todesschwadronen im Land, als der gefolterte Körper des Gewerkschaftsführers Saúl Canar Pauta im Dezember entdeckt wurde. Die Todesschwadronen haben ausserdem in Guatemala ihren Kopf erhoben und Todesdrohungen versandt. In Brasilien wurden die Zusammenstösse zwischen den Landbesitzern und den landlosen Landarbeitern schlimmer, und im März wurden zwei weitere Mitglieder der Landarbeitergewerkschaft MST ermordet. In Mexiko wurde ein Aktivist der Lehrergewerkschaft erschossen.

Die Zahl der Ermordeten ging in Kolumbien zwar zurück, die Gesamtzahl von mehr als 90 im Laufe des Jahres ermordeten Beschäftigten zeigt jedoch nur allzu deutlich das Ausmass der Feindseligkeit gegenüber den Gewerkschaften sowie die Tatsache, dass die Regierung dies zulässt. Gleichzeitig nahm die allgemeine Feindseligkeit gegenüber den Gewerkschaften, darunter Todesdrohungen, zu.

Die Regierungen drücken bei Missbräuchen immer noch ein Auge zu. In Costa Rica ignorierte das Arbeitsministerium Klagen der Gewerkschaften über Einschüchterung und Verletzungen des Arbeitsgesetzes. Die Empfehlungen der IAO in bezug auf das Düngemittelunternehmen Fertica wurden von den Behörden und der Betriebsleitung ignoriert, und die Rechtsverletzungen wurden fortgesetzt. In Guatemala arbeiten Inspektoren des Gewerbeaufsichtsamtes stillschweigend mit Arbeitgebern zusammen, um die Gewerkschaften zu zerschlagen.

Hinter den Schlagzeilen über den Bananenhandelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union wurde ein weiterer Krieg für die Rechte der Arbeiter/innen auf den Plantagen geführt. Sie werden immer noch gezwungen, unter gefährlichen Bedingungen lange Arbeitszeiten zu leisten, sie werden toxischen Substanzen ausgesetzt, die zu Krankheiten und zu Behinderungen bei Neugeborenen geführt haben, die auf genetische Änderungen zurückzuführen sind. In Guatemala gab es zahlreiche Fälle, in denen Arbeitnehmer/innen entlassen wurden, weil sie versucht hatten, eine Gewerkschaft zu gründen. Streikende wurden verhaftet, Bereitschaftspolizei wurde eingesetzt, und zwei Beschäftigte wurden von einem Sicherheitsposten durch Schüsse verletzt. In Honduras wurde ein Gewerkschaftsführer verletzt. Er hatte ein Unternehmen aus den USA aufgefordert, die durch Pestizide belasteten Beschäftigten zu entschädigen.

Die Freien Exportzonen bleiben eine gewerkschaftsfreie Zone. Internationale Berichterstattung über schlechte Arbeitsbedingungen und Handelsdruck führten dazu, dass einige Unternehmen einen Verhaltenskodex einführten, diese waren jedoch zum grossen Teil nur Makulatur. Unmenschliche Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten und niedriger Lohn herrschen immer noch vor, und die Behörden tun nichts, um dies zu ändern. Im Gegenteil, in Honduras haben sie versucht, Arbeitgeber anzuziehen, indem sie ihnen versicherten, dass das Arbeitsgesetz nicht angewendet würde. In Nicaragua haben die Behörden stillschweigend mit ausländischen Investoren zusammengearbeitet, um den Aufbau von Gewerkschaften in den FEZ zu verhindern. In Guatemala entlassen die Arbeitgeber Beschäftigte, die streiken oder die versuchen, eine Gewerkschaft zu gründen, sie tauschen schwarze Listen aus, so dass sie nie wieder Arbeit finden, schliessen und verlagern Unternehmen. Die Arbeitsbehörden schreiten nicht ein. Auch in Mexiko setzen die Arbeitgeber Gewerkschafter/innen auf eine schwarze Liste.

Positiv ist zu vermerken, dass es in Brasilien Pläne gibt, die einheitliche Gewerkschaftsstruktur zu beenden - was in der Praxis bereits angewandt wird -, und dass die Regierung in Argentinien mit den Gewerkschaften eine Reform des Arbeitsgesetzes beschlossen hat. Chile hat die IAO-Übereinkommen 87 und 98 ratifiziert, das Land muss jedoch sein Arbeitsrecht noch novellieren. In Venezuela wurde im Mai ein dreigliedriges Abkommen erreicht, um das restriktive Arbeitsrecht den IAO-Normen anzupassen.

Nordamerika leistet nur wenig, um ein gutes Beispiel zu geben. In den Vereinigten Staaten ist der Rechtsschutz der Gewerkschaftsrechte immer noch unzureichend, und es gibt einen Trend zu unredlichen Absprachen zwischen den Arbeitgebern. In Kanada gibt es trotz einiger rechtlicher Änderungen immer noch Einmischungen in die Tarifverhandlungen der Beschäftigten des öffentlichen Sektors.

Das Gesamtbild in Amerika zeigt die zunehmende Macht der multinationalen Unternehmen auf Kosten der Arbeitnehmerrechte. Das muss nicht der Fall sein. Es ist an der Zeit, dass die Arbeitnehmer/innen ihre Macht positiv nutzen, und sie könnten damit beginnen, gemeinsam mit den Regierungen zu beschliessen, die Kernübereinkommen der IAO zu achten.

 

 

Argentinien

Einwohner: 35.219.000 Hauptstadt: Buenos Aires Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111-138

 

Anfang des Jahres kam zwischen dem nationalen Gewerkschaftsdachverband CGT und der Regierung eine Einigung in der seit langer Zeit anhängigen Frage der Novellierung des Arbeitsgesetzes zustande. Das neue Gesetz wurde im September verabschiedet.

Empfohlene IWF-Reformen beschneiden Gewerkschaftsrechte

Präsident Menem hatte 1996 seine Absicht bekanntgegeben, im Zuge seiner "zweiten Staatsreform" die Arbeitsgesetzgebung radikal zu reformieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte weitreichende Änderungen der Gesetze als Voraussetzung für die Gewährung eines Darlehenspaketes für das Land verlangt. Die Gewerkschaften hatten sich gegen das vorgeschlagene Flexibilisierungspaket gewandt, das ihres Erachtens auch viele Gewerkschafts- und Beschäftigungsrechte aufheben würde, insbesondere durch eine Beschränkung von Tarifverhandlungen auf Unternehmens- oder Betriebsebene, durch die Einführung von flexiblen Arbeitsverträgen, was das Einstellen und Entlassen von Beschäftigten auf billige Art ermöglichen würde. Ausserdem sollten die von den Gewerkschaften verwalteten "Sozialwerke" (Krankenversicherung) dereguliert werden.

 

Anfechtung der Reformen

Der Präsident setzte die Reformen angesichts des Widerstandes von seiten der Gewerkschaften und des Kongresses Ende 1996 per Erlass durch. Die Reformen wurden mit Unterstützung der CGT angefochten und Anfang 1997 von einem Gericht für verfassungswidrig erklärt. Der Fall ging weiter an den Obersten Gerichtshof. Die Regierung hob die Erlasse bis zur abschliessenden Klärung seitens des Obersten Gerichtshofes auf. Anschliessend wurde das Verfahren für 120 Tage ausgesetzt, weil die CGT und die Regierung sich darauf verständigt hatten, eine aussergerichtliche Lösung anzustreben.

Der zuvor abgebrochene Dialog zwischen der Regierung und der CGT wurde 1997 wieder aufgenommen, und man einigte sich auf den Inhalt des Entwurfs der Gesetzesnovelle. Dieser Entwurf wurde jedoch von den Arbeitgebern abgelehnt und anschliessend aufgrund der baldigen Parlamentswahlen im Oktober 1997 ad acta gelegt.

Im Februar 1998 berichtete der nationale Gewerkschaftsdachverband CGT, dass die Einigung mit der Regierung über die Novellierung des Arbeitsgesetzes erzielt sei.

Mitte März brachte die Regierung den Gesetzentwurf beim Kongress ein. Die Arbeitgeber waren entschieden dagegen und drängten den Kongress, den Gesetzentwurf nicht zu verabschieden. Dem Vernehmen nach hatte auch der IWF gewisse Vorbehalte bezüglich des Entwurfs.

 

Neuverhandelte Gesetzesnovelle verabschiedet

Der Gesetzentwurf wurde schliesslich Anfang September verabschiedet. Er bestätigte den Vorrang industrieweiter Tarifverhandlungen, verbot künftig befristete Arbeitsverträge, nach denen die Beschäftigten keinen Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen hatten (im Volksmund als "Ramschverträge" bezeichnet), reduzierte die Abfindungssummen auf künftige Beschäftigungsverträge, verlängerte die betrieblichen Tarifverträge um ein weiteres Jahr, falls die Vertragsparteien während der Tarifrunde keine Einigung erzielen können, verkürzte Kündigungsfristen und Probezeiten und regularisierte Ausbildungsverträge.

 

Deregulierung – zunehmende Angriffe auf Gewerkschaftsrechte

Die Massnahmen zur Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeit, die im Zuge der Wirtschaftsreformen ab 1989 eingeführt worden waren, beinhalteten zahlreiche legislative Angriffe auf die Gewerkschaftsrechte. Das Gros der Wirtschaftsreformen wurde per Sonderermächtigung des Präsidenten durchgeführt. Aufeinanderfolgende Erlasse untergruben Tarifverhandlungen, und durch die Aufstellung einer umfassenden Liste von grundlegenden Diensten, in denen Streiks verboten sind, wurde das Streikrecht ausgehöhlt.

Ein im August herausgegebener Bericht erklärte, dass 64 Prozent der Beschäftigten im Privatsektor entweder mit individuellen Arbeitsverträgen ohne Sozialversicherungsschutz eingestellt wurden, oder überhaupt nicht gemeldet waren.

 

Tarifverträge ausgesetzt

Ein Erlass aus dem Jahr 1991 machte Lohnverhandlungen von Produktivitätssteigerungen abhängig. Die Regierung berichtete allerdings der IAO, dass dieser Erlass praktisch durch einen Erlass von 1993, der in einer breiten Palette von wirtschaftlichen Tätigkeiten gilt, widerrufen worden sei.

Ein Erlass aus dem Jahr 1992 hob Klauseln in Tarifverträgen auf, mit denen Beschäftigungsbedingungen festgelegt wurden, die der Produktivität in den Häfen und in der Handelsmarine abträglich waren. Dies wurde durch einen nachfolgenden Erlass von 1992 ergänzt, mit dem 62 Tarifverträge in der See- und Binnenschiffahrt sowie in den Häfen ausgesetzt wurden. Seit 1994 haben sich die Gewerkschaften um Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern bemüht. Letztere sind jedoch nicht verhandlungsbereit. Die Regierung verwies auf den regionalen Integrationsvertrag für den Mercosur als Grund für eine Verweigerung der Tarifverhandlungsrechte in diesem Sektor.

 

Einschränkungen für Verhandlungen

Im Rahmen des Arbeitsgesetzes müssen bestimmte, auf Betriebsebene abgeschlossene Tarifverträge vom Arbeitsministerium gebilligt werden. Das Ministerium muss dabei abwägen, ob der Vertrag die öffentliche Ordnung beeinträchtigt und Kriterien wie die Produktivität, Investitionen, die Einführung neuer Technologien, berufliche Bildung und andere gesetzliche Bestimmungen berücksichtigen. Die Regierung hat verlautbart, dass auch hier mit Änderungen zu rechnen ist.

 

Hürden auf dem Weg zur Anerkennung des Gewerkschaftsstatus

Das Gesetz legt übertriebene Bedingungen für die Erteilung des Gewerkschaftsstatus fest und besagt, dass einer Betriebsgewerkschaft nur dann der Gewerkschaftsstatus verliehen werden kann, wenn keine andere Gewerkschaft innerhalb desselben geographischen Gebietes oder desselben Tätigkeitsfeldes aktiv ist. Lediglich Vereinigungen, die den Gewerkschaftsstatus besitzen, haben auch ein Recht auf gewerkschaftlichen Schutz, sind berechtigt, das automatische Beitragseinzugsverfahren vom Entgelt zu beantragen und können die individuellen und kollektiven Interessen der Arbeitnehmerschaft vertreten, insbesondere in Tarifverhandlungen.

 

Gummigeschosse

Am 13. August organisierten die Beschäftigten der Provinzregierung von Jujuy einen "Gemeinsamen Demonstrationszug" und forderten die Auszahlung ihrer Bezüge, die sie schon seit Monaten nicht mehr erhalten hatten. Der Gouverneur der Provinz befahl der Polizei, den Demonstrationszug aufzulösen. Die Polizei setzte Gummigeschosse, Tränengas und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein und verletzte 30 Männer, Frauen und Kinder. 22 weitere Personen wurden inhaftiert. Darunter befanden sich Fernando Acosta vom Gewerkschaftsbund CTA und Carlos Santillán. Beide wurden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Verletzung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung angezeigt. Später wurden Gewerkschaftsführer inhaftiert, die ein Gesuch mit der Forderung nach Auszahlung der säumigen Bezüge bei der Justizbehörde der Provinz eingereicht hatten.

 

Morddrohungen

Die Lehrergewerkschaft ATEN in Neuquén berichtete, dass ihr stellvertretender Generalsekretär, Oscar Di Diego, Morddrohungen erhalten habe. So sei er telefonisch bedroht worden, habe aber auch zu Hause und im Auto schriftliche Drohungen vorgefunden, mit denen er aufgefordert wurde, seine Kampagne gegen das nationale Bildungs- und Erziehungsgesetz zu beenden.

 

 

Barbados

Einwohner: 261.000 Hauptstadt: Bridgetown Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111

 

Die Barbados Workers’ Union hatte 1998 erhebliche Schwierigkeiten, die Anerkennung von Unternehmen ausländischer Investoren zu erwirken. Letztere versuchten nicht nur, sich über die Gepflogenheiten und die Praxis der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen des Landes hinwegzusetzen, sondern wollten auch ihre eigenen restriktiven Vorschläge durchsetzen.

 

Kein Gesetz über die Anerkennung für Verhandlungszwecke

Es gibt kein Gesetz über die Anerkennung für Tarifverhandlungen in Barbados, aber gewohnheitsmässig und in der Praxis ist es so, dass eine Gewerkschaft, der mindestens 50 Prozent der Beschäftigten des jeweiligen Betriebes beigetreten sind, für Verhandlungszwecke anerkannt wird.

 

Verweigerung der Anerkennung von Gewerkschaften

Sechs Unternehmen ausländischer Investoren, die im Baugewerbe, in der Informationstechnologie und in der Erschliessung von Erdölvorkommen tätig sind, weigerten sich, die Gewerkschaft anzuerkennen und legten eigene Vorschläge für die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen vor.

Die Vorschläge enthielten folgende Regelungen:

ein Streikverbot während der Laufzeit eines Tarifvertrages

ein Verbot von Sympathie- oder Sekundärstreiks

die Anordnung verbindlicher Schlichtungsverfahren

restriktive Bestimmungen hinsichtlich des Nachweises einer Gewerkschaftsmitgliedschaft, der Anerkennung und der Aberkennung der Vertretungsrechte

 

Streikaktion brachte Erfolg

Die Gewerkschaft bestreikte daraufhin folgende Unternehmen: Offshore Keyboarding Corporation, eine Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Digital Imaging & Technologies Inc.; Manulife Data Services und Commercial Data Processing, zwei Unternehmen in kanadischem Besitz; Panda Drilling, ein US-amerikanisches Unternehmen, das Erdölvorkommen erschliesst; sowie die beiden Bauunternehmen britischer Eigner, Royal Westmoreland und Kier International.

Schliesslich wurde die Gewerkschaft in allen Unternehmen anerkannt, mit Ausnahme von der Offshore Keyboarding Corporation, die erklärte, sie werde nach Trinidad übersiedeln.

Vor dem Hintergrund der Streikaktion der Gewerkschaft erklärte sich die Regierung bereit, Schritte zur Regelung der Frage der Anerkennung einzuleiten und dabei auch die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes in Erwägung zu ziehen.

 

 

Bolivien

Einwohner: 7.593.000 Hauptstadt: La Paz Ratifizierte Übereinkommen: 105-87-98-100-111-138

 

Die Regierung hat die Zusagen gegenüber der IAO, das Arbeitsgesetz zu ändern, nicht eingehalten. Einige der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die aus Protest gegen die sich ständig verschlechternde Wirtschaftslage streikten, wurden getötet.

 

Proteststreiks

Am 9. Dezember 1997 organisierte der nationale Gewerkschaftsdachverband COB einen Generalstreik, um Lohnerhöhungen durchzusetzen, nachdem die neugewählte Regierung unter einem ehemaligen Militärdiktator Benzinpreiserhöhungen von bis zu 28 Prozent angeordnet und erklärt hatte, dass der Brennstoffmarkt dereguliert würde.

Am 12. Januar 1998 fand ein Generalstreik zum Protest gegen die Benzinpreiserhöhungen und eine geplante Streichung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst statt. Am 5. und 6. März traten die Lehrkräfte, die Gehaltserhöhungen verlangten, in den Ausstand. Am 1. April rief der COB zu einem unbefristeten Streik auf. In der Hauptstadt La Paz, aber auch an anderen Orten wurden zahlreiche Hundertschaften Einsatzpolizei und Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt. In La Paz kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Lehrkräften. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menschenmenge vor und nahm mehrere Lehrkräfte fest. Das Arbeitsministerium verlautbarte, der Streik sei ungesetzlich.

 

Streikende getötet und verletzt

Am zweiten Streiktag erlagen drei Landarbeiter, von denen zwei namentlich bekannt sind, Francisco Espinoza und Benito Mamani, ihren Schussverletzungen aus gewaltsamen Auseinandersetzungen im Cocaanbau-Gebiet von Chapare. Die Polizei setzte Tränengas gegen Cocabauern ein und feuerte Gummigeschosse auf sie ab, als sie gegen die Pläne der Regierung protestierten, den Cocaanbau zu zerstören, von dem der Lebensunterhalt der Bauern abhing. Die Regierung drohte mit der Verhängung des Ausnahmezustandes.

Am 3. April wurden fünfzehn Arbeiter, die eine Strasse zwischen La Paz und El Alto blockiert hatten, von der Polizei angegriffen. Sie mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Gespräche zwischen dem COB und der Regierung endeten ergebnislos. Bis zum 7. April waren insgesamt sieben Menschen, darunter ein Säugling, der am Tränengas erstickte, in Chapare getötet worden. Viele weitere waren verletzt worden.

In La Paz musste dem Lehrer Enrique Candia ein Bein abgenommen werden, nachdem er von der Polizei angeschossen worden war. In Chapare starb der Arbeiter Agapito Checa, der zuvor von einer mobilen Einsatztruppe der Polizei (UMOPAR) zusammengeschlagen worden war. In den Städten Tunari und Shinahota wurden über 50 Personen verletzt. In Shinahota wurden Tränengasbehälter in ein Schulhaus geworfen.

 

Militäreinsatz

Am 9. April hatte die Regierung die Streitkräfte hinzugezogen und 2.000 Soldaten in Chapare stationiert, die die Strassen offen halten sollten.

Am 23. April herrschte in Chapare praktisch der Belagerungszustand. Die Militärpolizei patroullierte das Gebiet. Die Gespräche zwischen dem COB und der Regierung wurden wieder aufgenommen, kamen jedoch zum Erliegen, bevor eine endgültige Einigung erzielt werden konnte.

Der Streik wurde am 24. April abgebrochen.

Die Gespräche wurden im August wieder aufgenommen, führten jedoch erneut in die Sackgasse, und im September kam es zu neuen Protesten. Viele Beschäftigte traten in den Hungerstreik. Am 15. September traten 15 Arbeiter und 34 Cocabauern aus Chapare vor dem Arbeitsministerium in den Hungerstreik und wurden von Polizisten mitten in der Nacht gewaltsam entfernt. Die Truppen in Chapare wurden verstärkt. Im Verlauf des Jahres sind in dieser Region allein 13 Arbeiter getötet worden, und viele Hunderte wurden inhaftiert. Als Ende des Monats die Gespräche abermals aufgenommen wurden, wurden die Proteste abgebrochen.

 

Gesetzliche Einschränkung der Gewerkschaftsrechte

Boliviens Arbeitsgesetz verbietet öffentlichen Bediensteten den Beitritt zu Gewerkschaften, obwohl Beschäftigte im Gesundheits- und Erziehungswesen und in der Erdölindustrie Gewerkschaften angehören dürfen.

Pro Betrieb ist lediglich eine Gewerkschaft zulässig. Die Mitglieder von Gewerkschaftsvorständen müssen bolivianische Staatsangehörige sein, und Gewerkschaftsfunktionäre müssen in dem jeweiligen Betrieb arbeiten. Die Behörden verfügen über weitreichende Befugnisse, um Gewerkschaftsangelegenheiten zu überwachen, und sie können Gewerkschaften von Amts wegen auflösen.

Drei Viertel aller Beschäftigten müssen sich in einer Urabstimmung für einen Streik aussprechen. Streiks sind in sämtlichen öffentlichen Diensten, einschliesslich Banken, verboten. Zur Beendigung von Streiks kann die Regierung eine Zwangsschlichtung anordnen. General- und Solidaritätsstreiks sind verboten und können mit Haftstrafen geahndet werden. In der Praxis finden allerdings Generalstreiks statt.

Die Beschäftigten in der Landwirtschaft fallen nicht unter das Arbeitsgesetz, obwohl Gewerkschaften in gewissen Landwirtschaftsbetrieben existieren. 1998 erklärte die Regierung, dass die Beschäftigten in der Landwirtschaft künftig nicht mehr aus dem - entsprechend geänderten - Arbeitsgesetz ausgeschlossen seien. Lediglich Gewerkschaftsführer/innen sind vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung geschützt. Es gibt keinerlei Massnahmen zum Schutz von Gewerkschaften vor einer Einmischung seitens des Arbeitgebers.

Die Tarifverträge beschränken sich mehrheitlich auf Entgeltfragen und klammern andere Arbeitsbedingungen aus.

 

Regierung erfüllt Versprechen gegenüber IAO nicht

Im Oktober 1997 war eine direkte Kontaktmission der IAO nach Bolivien gereist. Die Regierung versprach, das Gesetz in folgenden Punkten zu ändern:

die Befugnis der Behörden, Gewerkschaftsangelegenheiten zu kontrollieren;

die Befugnis der Behörden, Gewerkschaften von Amts wegen aufzulösen;

der unzureichende Schutz von Beschäftigten, die nicht Gewerkschaftsführer/innen sind, vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung;

der vollständige Mangel an Schutz vor Einmischung seitens des Arbeitgebers;

die strafrechtliche Verfolgung von General- und Solidaritätsstreiks.

Bis zum Ende des Berichtsjahres waren keine Änderungen in diesen Punkten vorgenommen worden.

Die Regierung verlautbarte, dass keine Einigung zwischen den Sozialpartnern in anderen Aspekten des Gesetzes zustande gekommen sei und versprach, alle diese Fragen erneut auf dem Wege des Dialogs zu behandeln.

 

 

Brasilien

Einwohner: 161.1000.000 Hauptstadt: Brasília Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-98-100-111

 

1998 versuchte die Regierung, die einheitliche Gewerkschaftsstruktur "unicidade", die in der Praxis viele Jahre lang ignoriert worden war, sowie die verbindliche Gewerkschaftssteuer abzuschaffen. Die Ermordung von Landarbeiterführer(inne)n und –aktivist(inn)en dauerte an.

Sparmassnahmen

Die Regierung verkündete im November 1997 Sparmassnahmen, zu denen Reformen des öffentlichen Sektors und der Sozialversicherung sowie eine Deregulierung des Arbeitsmarktes, die seit fast drei Jahren ausstanden, gehörten. Zu den Massnahmen gehörte eine 10%ige Steuererhöhung, ein Ende der Anstellungssicherheit für Regierungsbeschäftigte, eine Gehaltsobergrenze und der Verlust von rund 30.000 Arbeitsplätzen in dem Sektor. Der Gewerkschaftsdachverband CUT setzte sich gegen diese Massnahmen ein.

 

Reformen verringern die Arbeitnehmerrechte

Anfang 1998 legte die Regierung ein Gesetz zur Schaffung zeitlich befristeter Beschäftigungsverträge vor, bei denen die Beschäftigten bis zu zwei Jahre eingestellt werden können, ohne dass der Arbeitgeber ausreichende Sozialbeiträge zahlt, und in denen Überstunden mit Freizeit anstelle von Lohnzuschlägen entgolten werden. Ausserdem wurde ein Gesetz zur Reform des Beamtenstatuts, der Anstellungssicherheit und der Sozialversicherung verabschiedet. Die anderen Reformen wurden wegen der Wahlen im Oktober zu den Akten gelegt.

 

Die Regierung versucht, das überholte Gewerkschaftsgesetz zu reformieren

Am 4. November verabschiedete die Regierung Massnahmen zur Reformierung des Gewerkschaftsgesetzes und zur Abschaffung der einheitlichen Gewerkschaftsstruktur unter dem Namen "unicidade", die mehr als eine Gewerkschaft in einem geographischen Raum verbietet, sowie der verbindlichen Gewerkschaftssteuer. Der Präsident unterzeichnete eine vorübergehende Massnahme, die unverzüglich für 30 Tage in Kraft trat. Es wurde jedoch kein dauerhaftes Gesetz, da es im Kongress nicht ratifiziert wurde.

"Unicidade" erlaubt nur eine Gewerkschaft pro Berufsgruppe in einem bestimmten geographischen Raum. Die Gewerkschaften sind entschieden dagegen, und es wird in der Praxis ignoriert.

Die verbindliche "Gewerkschaftssteuer" ist von jedem Beschäftigten an das Arbeitsministerium zu zahlen, das die Mittel dann je nach Mitgliederstand an die nationalen Gewerkschaftsverbände weiterleitet.

 

Verhandlungsbeschränkungen

Die Regierung kann Tarifverträge, die mit ihrer Lohnpolitik nicht übereinstimmen, für nichtig erklären. Die Tarifverhandlungen für Staatsbedienstete sind begrenzt. Es gibt Mängel im Verhandlungssystem im Hafensektor.

 

Landarbeiter/innen bei Landstreitigkeiten getötet

Die Zusammenstösse zwischen Landbesitzern und landlosen Landarbeiter(inne)n haben zugenommen.

Die Landarbeitergewerkschaft MST intensivierte die Besetzung von unproduktivem Land, um Druck auf die Regierung auszuüben, ihr Landreformprogramm zu beschleunigen und auszuweiten.

Die Militärpolizei setzt oft übermässige Gewalt ein, um die Arbeiter/innen zu vertreiben. Bezahlte Killer haben der Staatspolizei dabei geholfen, Arbeiter/innen zu vertreiben. Diese Killer werden nur selten vor Gericht gestellt. Schätzungen zufolge sind in den letzten 10 Jahren Hunderte von Landarbeiter(inne)n bei Landkonflikten getötet worden. Die gewaltsamen Vertreibungen wurden 1998 fortgesetzt.

Im März wurden die beiden MST-Führer Onalicio Araujo Barros und Valentin Serra durch einige Farmer in Parauapebas in Nordbrasilien getötet, während sie von einer Farm vertriebene Landarbeiter/innen begleiteten. Ausserdem wurden elf Polizeibeamte wegen Hilfeleistung zu diesem Mord verhaftet, von denen neun bereits ein Verfahren wegen des Massakers an 19 MST-Mitgliedern in Eldorado de Carajas im Jahre 1996 erwarteten.

 

Neue Verhandlung gegen MST-Führer vertagt

Im August bestätigte ein Bundesberufungsgericht die Entscheidung des Obersten Gerichts des Bundesstaates Espirito Santo, das erneute Verfahren gegen den MST-Führer Jose Rainha Junior in die Hauptstadt des Bundesstaates Vitoria zu verlegen, weil er in der kleinen ländlichen Stadt Pedro Canario im gleichen Staat mit einer voreingenommenen Jury rechnen musste.

1997 hatte ihn eine Jury in Pedro Canario wegen des Mordes an einem Landbesitzer und einem Polizisten während einer Landbesetzung 1989 zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt. Berichten zufolge hatte die Anklage keine Beweise, und die Zeug(inn)en sagten aus, dass Rainha zum Zeitpunkt des Mordes mehr als 1600 km entfernt war. Da Rainhas Strafe länger als 20 Jahre war, hatte er automatisch Anspruch auf eine neue Verhandlung. Bis zum Ende des Jahres war noch kein Datum für die Verhandlung festgelegt worden.

 

 

Chile

Einwohner: 14.421.000 Hauptstadt: Santiago Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111-138

 

Chile hat im Laufe des Jahres endlich beide Übereinkommen über Gewerkschaftsrechte ratifiziert, aber ein grosser Teil des Arbeitsrechts stammt noch aus den Jahren der Militärdiktatur.

Das restriktive Arbeitsrecht stammt noch aus den Jahren der Diktatur

Der Grossteil des chilenischen Arbeitsrechts stammt noch aus der Pinochet-Zeit.

Das Arbeitsgesetz macht die Organisierung in vielen Sektoren schwierig, und die meisten Beschäftigten fallen unter individuelle Beschäftigungsverträge. Tarifverhandlungen finden gewöhnlich auf Betriebsebene statt. Industrieweite Verhandlungen sind selten und stehen im Ermessen des Unternehmens.

Die Beschäftigen in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Bergbau, in den Häfen, in der Fischerei, in der Unterhaltungsbranche und in anderen Sektoren sind im Arbeitsgesetz als befristete Beschäftigte definiert. Obwohl sie Gewerkschaften gründen können, sind ihre Tarifverhandlungsrechte ernsthaft eingeschränkt und liegen im Ermessen ihrer Arbeitgeber.

Die Arbeitgeber können Klauseln in Einzelverträge aufnehmen, mit denen einigen Gruppen von Beschäftigten Tarifverhandlungen untersagt werden, obwohl dies nur für Aufsichtspersonal gilt. Die Beschäftigten können beim Arbeitsministerium Einspruch gegen derartige Klauseln erheben.

Vor der gesetzlichen Eintragung von Gewerkschaften und Gewerkschaftsfunktionären ist die Genehmigung des Ministeriums erforderlich.

Die Beschäftigten in rund 30 öffentlichen Versorgungsbetrieben dürfen nicht streiken, und dort ist eine obligatorische Schlichtung vorgeschrieben.

 

Übereinkommen 87 und 98 wurden ratifiziert

1998 hat Chile sowohl IAO-Übereinkommen 87 als auch Übereinkommen 98 ratifiziert.

Der Entwurf eines Arbeitsgesetzes, der im Laufe des Jahres im Kongress geprüft wurde, enthielt Massnahmen zur Deregulierung des Arbeitsmarktes, denen sich der nationale Gewerkschaftsbund CUT widersetzte. Der CUT unterstützte andere noch ausstehende Reformen, insbesondere das Recht der Gewerkschaften auf Tarifverhandlungen auf Industrie- und Sektorebene.

 

Gewerkschaftsfeindliche Praktiken

Dem CUT zufolge haben die gewerkschaftsfeindlichen Praktiken der Arbeitgeber zugenommen, und die Beschäftigten, die versuchten, eine Gewerkschaft zu gründen, mussten immer häufiger damit rechnen, schikaniert zu werden. Die Arbeitgeber stellten Beschäftigte in verschiedenen Unternehmen ein, um zu verhindern, dass sie die zur Gründung einer Gewerkschaft erforderliche Zahl erreichen. Unternehmen wurden in separate Einheiten untergliedert, um die Tarifverhandlungen zu schwächen. Die Arbeitgeber können im allgemeinen davon ausgehen, vor Gericht, insbesondere vor den höheren Gerichten, auf Verständnis zu stossen. Die Wahrscheinlichkeit, unmittelbar nach einer Beteiligung an Tarifverhandlungen entlassen zu werden, war doppelt so gross wie sonst.

 

Bewaffnete Truppen gehen gegen Streikende vor

Im Januar wurden streikende Hafenarbeiter/innen, die aus Protest gegen die Verzögerung der Regierung bei der Umsetzung der Umstrukturierung des Hafens den Zugang zum Hafen von Valparaiso blockiert hatten, von Soldaten und der Marine mit M-16-Gewehren bedroht.

 

 

Costa Rica

Einwohner: 3.500.000 Hauptstadt: San José Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111-138

 

Die Feindseligkeit gegenüber den Gewerkschaften im privaten Wirtschaftssektor besteht unverändert fort, insbesondere in den FEZ und auf den Bananenplantagen. Der Regierung widerstrebt es, das eigene Arbeitsgesetz durchzuführen.

Gewerkschaftsfeindliche Atmosphäre in der Privatwirtschaft

Aufgrund der Feindseligkeit der Arbeitgeber und dem Unwillen der Regierung, ihre Arbeitsgesetze durchzuführen, ist es nach wie vor praktisch unmöglich, im privaten Sektor Gewerkschaften zu gründen oder ihnen beizutreten.

Gewerkschafter/innen laufen insbesondere in den neun Freien Exportzonen (FEZ) und auf den Bananenplantagen Gefahr, entlassen und auf schwarze Listen gesetzt zu werden. Tarifverhandlungen sind so gut wie unbekannt.

Die Gewerkschaften blieben bei ihrer Ansicht, dass die 1993 am Arbeitsgesetz vorgenommenen Änderungen zum Schutz von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern vor Diskriminierung "reine Worthülsen" seien.

 

Mangelnde Durchführung der Arbeitsgesetze

Der nationale Gewerkschaftsdachverband CTRN erklärte, dass das Arbeitsministerium Beschwerden von Gewerkschaften über die Entlassung und Schikanierung von Gewerkschaftsmitgliedern und die Verletzung von Arbeitsgesetzen ignoriere. Falls Beschwerden doch aufgegriffen würden, dauere es durchschnittlich zwei bis drei Jahre, um sie zu klären, und in dieser Zeit hätten die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter keine Arbeit, und ihre Gewerkschaften würden zerschlagen. Entscheidungen zugunsten der Beschäftigten würden häufig vom Nationalen Arbeitsinspektor aufgehoben. In den FEZ und den Bananenanbaugebieten entscheide das Ministerium unweigerlich zu Ungunsten der Gewerkschaften.

Das Arbeitsministerium räumte 1996 ein, für jeweils 30.000 Beschäftigte in den FEZ, in denen insgesamt etwa 90.000 Menschen arbeiten, lediglich über einen Arbeitsinspektor zu verfügen.

 

FEZ-Heimarbeitskräfte ungeschützt

Es gab Berichte, wonach Unternehmen mit FEZ-Status eine wachsende Zahl von Heimarbeiter(inne)n beschäftigten, vornehmlich im Textilsektor. Die Heimarbeitskräfte fallen nicht unter das Arbeitsgesetz und die Sozialversicherungsbestimmungen, haben keinen Urlaubsanspruch und keine Arbeitsplatzsicherheit.

 

Solidaristische Vereinigungen

Das Gesetz über solidaristische Vereinigungen wurde 1993 geändert. Ihre gesetzlichen Vorteile wurden aufgehoben, und es wurde ihnen untersagt, in irgendeiner Weise gegen Gewerkschaften tätig zu werden oder Tarifverträge zu unterzeichnen.

Die Arbeitgeber rufen sie dennoch weiterhin ins Leben, und das Arbeitsministerium lässt sie unverändert zu. Die Gewerkschaften berichteten, dass Beamte des Arbeitsministeriums die Arbeitgeber über neugegründete Gewerkschaften in Kenntnis setzten und die Arbeitgeber dann ihrerseits die Gründung von solidaristischen Vereinigungen betreiben.

Während im Jahr 1996 nur zehn Tarifverträge mit Gewerkschaften unterzeichnet wurden, kamen 45 direkte Vereinbarungen mit solidaristischen Vereinigungen zustande. Die Arbeitgeber boten den Mitgliedern solidaristischer Vereinigungen Sparpläne und den Zugang zu Kreditgenossenschaften als Gegenleistung für Antistreikvereinbarungen an.

 

Bananenplantagen

In Costa Ricas Bananenanbaugebiet, der Wiege des Solidarismo, sind die Arbeitsbedingungen besonders schlecht und gefährlich, da es an Schutzvorkehrungen für Beschäftigte, die mit Chemikalien arbeiten, fehlt. Arbeitnehmerinnen haben missgebildete Kinder geboren. Beschäftigte sind unfruchtbar und krank geworden, viele sind gestorben.

Bananenarbeiter/innen, die Gewerkschaften gründen wollen, riskieren ihre Entlassung und müssen nach Einbruch der Dunkelheit geheime Sitzungen abhalten. Die Arbeitgeber leisten dem Solidarismo Vorschub und setzen Gewerkschafter/innen und ihre Verwandten auf schwarze Listen. Sie ignorieren die arbeitsrechtlichen Bestimmungen und beschäftigen das Gros ihrer Belegschaft mit dreimonatigen Verträgen. Sie zahlen weniger als den Mindestlohn.

1997 prangerte die Bananenarbeitergewerkschaft SITRAP international die Zustände auf den Bananenplantagen an. Mehrere Minister drohten daraufhin mit einer Strafverfolgung von SITRAP wegen Hochverrats.

 

1998: Intensive Imagepflege der Bananenwirtschaft

Im April 1998 kündigten die Regierung und die Eigner der Bananenplantagen eine Kampagne zur Aufbesserung des Images der Bananenwirtschaft von Costa Rica an. Damit sollten auch die Vorwürfe über die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen und über die Umweltschädlichkeit des Bananenanbaus entkräftet werden.

Am 31. Juli besuchte eine Gruppe namhafter costaricanischer Persönlichkeiten aus den humanitären Hilfsorganisationen, der Kirche, den Hochschulen und der Presse die Bananenplantagen, um sich selbst ein Bild von den Bedingungen zu machen. Sechs Tage nach dem Besuch der Gruppe auf einer Plantage in Sixaola, die Chiriqui Land gehört, wurden Arbeiterinnen und Arbeiter, die der Gruppe ihre Arbeits- und Lebensbedingungen geschildert hatten, von einem Mitglied der Geschäftsleitung eingeschüchtert und bedroht.

Transnationale Bananengesellschaften nutzten den Zustrom von Einwanderern nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Mitch" aus und stellten diese Menschen unter prekären Bedingungen ein.

 

Arbeitskonflikt bei FERTICA trotz IAO-Empfehlungen ungelöst

Die Lage bei ATFE, dem Düngemittelsegment der mittelamerikanischen Düngemittelherstellerfirma FERTICA in Puntarenas, wo die Gewerkschaft im November 1995 einen Streik begonnen hatte, wurde auch in diesem Berichtsjahr nicht geklärt. Das Unternehmen entliess seinerzeit insgesamt 265 Beschäftigte, darunter alle Gewerkschaftsführer/innen, und rief eine solidaristische Vereinigung ins Leben. Die Behörden machten gemeinsame Sache mit dem Unternehmen und setzten Bereitschaftspolizei ein, um einen friedlichen Protest der Gewerkschaft aufzulösen. Obwohl das Arbeitsministerium 1996 entschied, dass die entlassenen Arbeitskräfte wiedereinzustellen seien, lehnte das Unternehmen dies ab. Auch kein anderes Unternehmen wollte sie einstellen.

1998 wurde der Arbeitskonflikt nicht gelöst, und das Unternehmen wandte seine gewerkschaftsfeindlichen Praktiken weiter an. Es überging die Empfehlungen der IAO. Als die Gewerkschaft Telegramme an ihre Mitglieder versandte, um sie zu einer Sitzung einzuberufen, schickte das Unternehmen die Telegramme an den Absender zurück. Die seit 1996 einbehaltenen Gewerkschaftsbeiträge händigte das Unternehmen der gelben Gewerkschaft aus. Ferner stellte es eine schwarze Liste von Gewerkschaftsmitgliedern auf und verweigerte den Gewerkschaftsführer(inne)n den Zutritt zur Plantage. Die Gewerkschaft meldete ausserdem, dass der Rentenfonds verschwunden sei.

 

Staatsdienst

Die Privatisierung des Staatsdienstes wurde fortgesetzt. Im Verlauf der vergangenen Jahre sind Tausende von Beschäftigten entlassen worden, darunter auch Gewerkschaftsführer/innen.

 

Die Gesetzgebung

Das Arbeitsgesetz verbietet Ausländer(inne)n die Übernahme eines Gewerkschaftsamtes.

Ein Streikverbot gilt im öffentlichen Dienst, im Schienen- und Schiffsverkehr sowie in der Luftfahrt, in der Viehzucht und in der Forstwirtschaft. Der Oberste Gerichtshof urteilte im Februar 1998, dass die Beschäftigten im öffentlichen Dienst streiken dürften.

Die Regierung erklärte 1997, dass sie der Gesetzgebenden Versammlung zwei Gesetzentwürfe vorgelegt habe. Einer beseitige das für Ausländer/innen geltende Verbot bezüglich der Übernahme eines Gewerkschaftsamtes, der andere Entwurf beinhalte die Aufhebung des Streikverbotes in der Viehzucht und der Forstwirtschaft. Keiner dieser Entwürfe wurde 1998 verabschiedet.

Tarifverhandlungen sind im öffentlichen Dienst verboten. Die Regierung erklärt der IAO seit mittlerweile vier Jahren, dass ein Gesetzentwurf zur Korrektur dieser Situation von der Gesetzgebenden Versammlung geprüft wird.

 

 

Dominikanische Republik

Einwohner: 7.961.000 Hauptstadt: Santo Domingo Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111

 

Die Probleme in bezug auf die Durchführung des Arbeitsgesetzes in den FEZ dauerten an.

Arbeitsgesetze in FEZ unbeachtet

Das Arbeitsgesetz von 1992 brachte zahlreiche Verbesserungen der Gesetzgebung der Dominikanischen Republik mit sich, so auch den Schutz von Gewerkschaftsführer(inne)n, -funktionär(inn)en und Beschäftigten vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung während der Tarifverhandlungen.

Viele Arbeitgeber in den Freien Exportzonen (FEZ) beachteten das Arbeitsgesetz jedoch weiterhin nicht und entliessen und bedrohten Gewerkschaftsmitglieder, gegen die sie zuweilen auch Gewalt anwendeten. Die Regierung ist entweder nicht Willens oder nicht fähig, ihr eigenes Arbeitsgesetz durchzuführen. Trotz der Bemühungen des Arbeitsministers und einer Neuordnung der Arbeitsgerichtsbarkeit im Jahr 1997 ist das System nach wie vor nicht in der Lage, das Gesetz wirksam durchzusetzen, und die Justiz ist schwach und korrupt.

 

Bemühungen um eine bessere Durchführung des Gesetzes

In den 40 FEZ sind zur Zeit etwa 485 Unternehmen ansässig, die gut 200.000 überwiegend weibliche Arbeitskräfte beschäftigen. Die meisten Firmen stellen Bekleidungsstücke her und haben Verträge mit oder gehören US-amerikanischen Gesellschaften.

Die Regierung bemühte sich 1994 um eine Verbesserung der Durchführung des Gesetzes, nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten das Land 1993 in die Jährliche Überprüfung im Rahmen des Allgemeinen Zollpräferenzsystems (GSP) aufgenommen hatte. Damals ergriff die Regierung der Dominikanischen Republik am Vorabend der GSP-Entscheidung die einmalige Massnahme der Aussetzung der Ausfuhrlizenz der koreanischen Firma Bibong Apparel – wenn auch nur für eine kurze Zeit, denn die Lizenz wurde anschliessend wieder erteilt.

Die Firma Bibong Apparel hatte eine Dauerkampagne der Entlassung, Belästigung und Einschüchterung von Gewerkschaftsmitgliedern geführt, um die Gewerkschaft daran zu hindern, 51 Prozent der Belegschaft zu organisieren. Dann nämlich wäre die Gewerkschaft als Tarifpartei offiziell zugelassen gewesen. Schikaniert wurde auch der Belegschaftsvertreter, der in die USA reiste, um dort während der Anhörung des GSP-Falles auszusagen. Die Firma unterzeichnete später den ersten je in einer Freien Exportzone zustande gekommenen Tarifvertrag.

Im Jahr 1993 wurde eine dreigliedrige Kommission eingerichtet, die Arbeitskonflikte im Zusammenhang mit der Nichtdurchführung des Arbeitsgesetzes in den FEZ lösen sollte. Die Regierung ermächtigte den Nationalen Rat für FEZ, die Ausfuhrlizenzen von Gesellschaften, die das Gesetz brechen, auszusetzen oder aufzuheben,. Von dieser Ermächtigung machte der Rat jedoch nie Gebrauch.

Immer wieder wird berichtet, dass die dreigliedrige Kommission und der Nationale Rat für FEZ unzureichend für die Behandlung von Beschwerden seien. Obwohl mehrere Beschwerden eingebracht wurden, ist nie etwas über diese Gremien erreicht worden.

 

Fortgesetzte Schikanierung

Die Arbeitgeber setzen den Gewerkschaften und Tarifverhandlungen unverändert ihren Widerstand entgegen. Eine Gewerkschaft muss mindestens die Hälfte der Beschäftigten in einem Unternehmen vertreten, bevor sie für die Zwecke der Tarifverhandlungen anerkannt werden kann. Die Arbeitgeber schikanieren Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und werfen sie ohne Grund hinaus, bevor genügend Arbeitskräfte des Unternehmens gewerkschaftlich organisiert sind, obwohl das widerrechtlich ist.

Die IAO hat mehrfach ihre Besorgnis über den Mangel an Tarifverträgen in den FEZ zum Ausdruck gebracht. Die Regierung teilte der IAO 1997 mit, dass es in den FEZ acht Tarifverträge gäbe.

 

1998 – Beschäftigte suspendiert

1998 suspendierte die Firma EUROMODA in den FEZ über 300 Beschäftigte und gab an, weder Geld noch Rohstoffe zu haben, mit denen sie den Beschäftigten das zahlen könnte, worauf sie Anspruch hatten.

Der Arbeitsminister hatte den Antrag der Firma, die Beschäftigten fristlos entlassen zu können, abgelehnt. Einige der Arbeitnehmerinnen waren zu diesem Zeitpunkt schwanger. Die Beschäftigten berichteten, dass sie erfahren hätten, dass die Firma an ausländischen Investoren veräussert worden sei. Sie berichteten ferner, dass es die Strategie der Firma sei, sich für bankrott zu erklären, um den Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Beschäftigten nicht nachkommen zu müssen. Dann würde die Firma die Tore schliessen, ihren Maschinenpark in ein anderes Unternehmen verlagern und sich dabei auf die Unfähigkeit der Justiz, die Firma strafrechtlich zu verfolgen, verlassen.

 

Streikende verletzt

Ausserhalb der FEZ traten die Hafen- und Transportarbeiter der CNTD-Mitgliedsgewerkschaft FENATRADO am 24. Juni in den Ausstand, weil der Staat ihnen Geld schuldete. Gleichzeitig forderten sie Gespräche über die Privatisierung der wichtigsten Häfen und die daraus resultierenden Arbeitsplatzverluste, und sie verlangten eine Lösung für die 4.000 Arbeiter im Hafen von Santo Domingo, die entlassen worden waren, weil der Hafen von einem Frachthafen zu einem Hafen für Passagierschiffe (Tourismus) umgewandelt worden war.

Mindestens 18 Arbeiter wurden während des Streiks von der Polizei verletzt, und über 170 wurden festgenommen. Zwei junge Hafenarbeiter wurden von Kugeln aus Schusswaffen getroffen, die Polizisten abfeuerten, als sie sich den Weg in das Gewerkschaftsbüro bahnten. Polizisten zerschlugen die Autofenster, zerstachen die Reifen von Gewerkschaftsfahrzeugen und beschlagnahmten 70 Lastkraftwagen.

Der Präsident der Dominikanischen Republik erklärte sich bereit, in der Sache zu vermitteln. Die Inhaftierten wurden freigelassen, und die Lkw wurden wieder freigegeben.

 

Nicht zu Verhandlungen mit Gewerkschaft der Zuckerrohrarbeiter bereit

Auf den Zuckerrohrplantagen klagten die drei Gewerkschaften – Sinatraplasi, Sipicaiba und Sitraplasib - erneut über die Weigerung der staatlichen Zuckerbehörde, mit ihnen über grundlegende Rechte zu verhandeln. Gewerkschaftsvertreter(inne)n war es nicht gestattet, sich frei auf den Zuckerrohrfeldern zu bewegen oder mit den Arbeitern zusammenzutreffen, und jeder, der an einer Gewerkschaftsaktivität teilnahm, wurde bedroht.

Als Zuckerrohrschneider beschäftigte Haitianer arbeiten nach wie vor unter Bedingungen, die als an Sklaverei grenzend beschrieben worden sind.

 

 

Ecuador

Einwohner: 11.699.000 Hauptstadt: Quito Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111

 

1998 traten in Ecuador Anzeichen von gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gerichtete paramilitärische Aktivitäten und Gewalt auf. Während eines Generalstreiks wurden drei Protestierende getötet und viele weitere verhaftet.

Proteste gegen Wirtschaftspolitik und Überfall auf Gewerkschaftsführer

Der Zusammenschluss von nationalen Gewerkschaftsdachverbänden, FUT, organisierte im Januar Protestkundgebungen gegen die drakonischen wirtschaftspolitischen Massnahmen, die von der Regierung eingeführt worden waren. Der FUT kündigte für den 5. Februar einen Generalstreik an. Dieser Tag war gleichzeitig der erste Jahrestag der Entfernung von Präsident Bucaram aus dem Amt, eine Folge der Proteste der Gewerkschaften und des Volkes.

Im September kam es erneut zu einer Protestwelle, als der neugewählte Präsident die Währung abwertete und die Brennstoffsubventionen strich, was zu einer drastischen Erhöhung der Erdgas-, Elektrizitäts- und Nahverkehrspreise führte. Am 4. September wurde José Chávez Chávez, der Vorsitzende des nationalen Gewerkschaftsdachverbandes CEOSL, eine Mitgliedsorganisation des FUT, von Männern in Polizeiuniform überfallen und ausgeraubt. Der Gewerkschaftsbund CEOSL forderte eine Aufklärung der Straftat, aber es wurde nichts in dieser Richtung unternommen.

 

Gewerkschaftsführer mit Strafanzeige gedroht

Für den 1. Oktober riefen die Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Am 30. September trat der Innenminister im staatlichen Fernsehen auf und drohte mit einer Strafanzeige gegen José Chávez Chávez wegen "abschätziger Äusserungen über das Land und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit". In einem Fernsehinterview am Tag zuvor war er bereits zur Bombenexplosion am Sitz der ecuadorianischen Bischofskonferenz am 28. September befragt worden und hatte suggeriert, dass es gar nicht so abwegig sei, dass Sicherheitskräfte die Bombe gelegt hätten, um die aktuelle Welle der öffentlichen Proteste zu unterminieren.

 

Protestierende getötet

Der Streik wurde von Studentenorganisationen, Bauernverbänden und indigenen Bevölkerungsgruppen unterstützt. In den gewaltsamen Zusammenstössen in den Küstenstädten Guayaquil, Portoviejo und Esmeraldas wurden mindestens drei Protestierende getötet, und viele weitere wurden verletzt. Fünfundachtzig Personen wurden festgenommen und befanden sich drei Wochen später noch immer in Haft. Ihnen wurde vorgeworfen, die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört und Privateigentum beschädigt zu haben. Einundsechzig der Inhaftierten traten in einen Hungerstreik.

Im Anschluss an den Streik wurde die Drohung einer Strafverfolgung von José Chávez Chávez erneuert. Dies geschah mit dem Erscheinen eines Artikels in der auflagenstärksten Tageszeitung Ecuadors, in dem berichtet wurde, dass die Polizei gegen Chávez Chávez vor Gericht gehen würde, weil er sie beschuldigt habe, eine Bombe am Sitz der ecuadorianischen Bischofskonferenz gelegt zu haben.

 

Angst vor Todesschwadronen geschürt

Am 5. Dezember wurde der Leichnam von Saúl Canar Pauta, einem hochrangigen Funktionär des nationalen Gewerkschaftsdachverbandes CEDOCUT, in Latacunga entdeckt. Der Leichnam wies deutliche Zeichen von Folter auf. Latacunga liegt in einer Entfernung von drei Autostunden von der Hauptstadt Quito, wo Canar Pauta am 26. November verschleppt worden war. Er war nach dem Verlassen des Sozialministeriums, von wo aus er sich auf den Weg zu einem anderen Termin gemacht hatte, nicht mehr gesehen worden. Man vermutet, dass eine Todesschwadron ihn entführte. Die Behörden haben eine Untersuchung zur Aufklärung seines Todes eingeleitet.

Die ecuadorianischen Gewerkschaften befürchten, dass dies den Beginn der Aktivitäten von Todesschwadronen gegen sie signalisierte. Sie berichteten, dass die kolumbianische Zeitschrift Caretas kurz zuvor ein Interview mit einem kolumbianischen paramilitärischen Führer abgedruckt hatte, der zugegeben hatte, gerade 38 Ecuadorianer auszubilden. Die Gewerkschaft berichtete ferner, dass ein Arbeitnehmer beim regionalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen EMELGUR in Guayas-Los Ríos, William Pablo Gamboa, unter verdächtigen Umständen verschwunden sei, ebenso wie mehrere Student(inn)en.

 

Gesetzgebung – öffentlichen Bediensteten werden Gewerkschaftsrechte vorenthalten

Im Rahmen des Arbeitsgesetzes ist es Beamten und bestimmten öffentlichen Bediensteten, einschliesslich Lehrkräften, verboten, Gewerkschaften zu gründen, Tarifverhandlungen zu führen oder zu streiken. Diejenigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die Gewerkschaften beitreten dürfen, können nur dann Tarifverhandlungen führen, wenn sie ein Komitee einsetzen, das mehr als die Hälfte der Beschäftigten vertritt. In der Praxis treten viele öffentliche Bedienstete Gewerkschaften bei und streiken.

 

Weitere gesetzliche Einschränkungen

Die Mindestzahl der Beschäftigten, derer es zur Gründung von Gewerkschaften und Betriebsräten bedarf, wurde im Jahr 1991 von 15 auf 30 erhöht. Ein Betriebsrat kann aufgelöst werden, wenn der Mitgliederstand weniger als 25 Prozent der Belegschaft beträgt. Ferner dürfen nur Staatsangehörige von Ecuador ein Gewerkschaftsamt bekleiden.

Das Gesetz sieht kein angemessenes bzw. unabhängiges Einspruchsverfahren für Gewerkschaften oder Betriebsräte vor, denen die Zulassung verweigert wird.

Die Gewerkschaften dürfen sich nicht an politischen Aktivitäten beteiligen. Verbände und Dachverbände dürfen nicht zu Streiks aufrufen. Die Beschäftigten sind zum Zeitpunkt ihrer Einstellung nicht völlig vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung geschützt. Das Gesetz ermöglicht zudem die Inhaftierung von Streikenden. Beschäftigte, die an Solidaritätsstreiks teilnehmen, können den Status des/der unbefristet Beschäftigten verlieren.

Im November 1997 wurden in einer Sondersitzung des Kongresses Verfassungszusätze verabschiedet, mit denen Streiks in wichtigen öffentlichen Diensten, einschliesslich Schulen, untersagt wurden. Das Ziel dieser Verfassungszusätze bestand darin, den allgemeinen Widerstand gegen die Privatisierung zu brechen. Bereits 1996 waren Einschränkungen von Verfassungsrechten verabschiedet worden, mit denen den öffentlichen Bediensteten fortan die Gründung von Gewerkschaften, Tarifverhandlungen und das Streikrecht untersagt wurden.

 

IAO

Obwohl im September 1997 eine fachliche Hilfsmission der IAO nach Ecuador gereist und bei der Erarbeitung von zwei Arbeitsgesetzentwürfen behilflich gewesen war, wurde nichts weiteres mit diesen Entwürfen unternommen.

 

FEZ

Ecuadors Gesetz über Freie Exportzonen (FEZ) aus dem Jahr 1990 ermöglicht es einem Unternehmen, den FEZ-Status unabhängig von seinem Standort anzunehmen. Die Unternehmen können Zeitarbeitskräfte einstellen, die nicht unter das Arbeitsgesetz fallen und schwieriger zu organisieren sind.

 

 

El Salvador

Einwohner: 5.796.000 Hauptstadt: San Salvador Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-111-138

 

Es gibt weiterhin Verletzungen der Gewerkschafts- und Beschäftigungsrechte in den Freien Exportzonen von El Salvador (FEZ). Ausserhalb der FEZ führten die Vorbereitungen der Privatisierung des Telefonunternehmens zur Entlassung von Gewerkschaftsführer(inne)n.

Öffentlicher Druck zur Verbesserung der Normen

Obwohl die Verletzungen der Arbeitnehmerrechte in den FEZ anhalten, hat sich die Situation seit 1995-96 verbessert, als die Gewalt gegen Arbeitnehmer/innen, die versuchten, eine Gewerkschaft zu gründen, international und vor allem in den USA, wohin ein Grossteil der Güter exportiert wird, aufgedeckt wurde.

Die öffentliche Empörung in den USA veranlasste mehrere Einzelhändler dazu, ihren Zulieferern freiwillige Verhaltenskodexe aufzuerlegen oder in einigen Fällen sogar Verträge zu kündigen. Der handelspolitische Druck veranlasste die Regierung von El Salvador dazu, im Januar 1996 ein neues Gesetz einzubringen, das die Unternehmen in den Zonen verpflichtet, den Beschäftigten im Falle der Schliessung eine Entschädigung zu zahlen. Damit sollte der Praxis von Unternehmen ein Ende gesetzt werden, die ihre Tore schlossen und ihren Betrieb verlagerten, um sich der Gewerkschaften zu entledigen, ohne den Beschäftigten irgendeine Abfindung zu zahlen.

Das neue Gesetz führte ausserdem Geldstrafen für Unternehmen ein, die gegen die Arbeitsgesetze verstossen, und ihre Steuer- und Zollvergünstigungen können ausgesetzt und sogar aufgehoben werden. Es wurde ein dreigliedriger Ausschuss eingerichtet, um Arbeitskonflikte in den Zonen zu behandeln. Das Arbeitsministerium wurde umorganisiert und die Zahl der Aufsichtsbeamten erhöht. Das Ministerium eröffnete in zwei der Freihandelszonen Büros.

 

Schikanierung der Gewerkschaften

Es gibt ungefähr 90.000 Beschäftigte in mehr als 225 Unternehmen in den Zonen. Die meisten Beschäftigten sind junge Frauen.

Es gibt immer noch sehr wenige Gewerkschaften. Die Arbeitgeber schikanieren und entlassen die Beschäftigten, um zu verhindern, dass die Gewerkschaften die 50% Mitglieder der Belegschaft anwerben können, die erforderlich sind, um für Tarifverhandlungen anerkannt zu werden.

 

Ständige Verletzungen der Arbeitnehmerrechte

Zu den andauernden Problemen in den Freien Exportzonen gehört die Tatsache, dass Frauen gezwungen werden, sich zum Zeitpunkt der Einstellung einem Schwangerschaftstest zu unterziehen; die Entlassung von schwangeren Arbeitnehmerinnen oder Beschäftigten über 30; Sozialversicherungsbeiträge, die die Arbeitgeber nicht auszahlen; niedrige Löhne, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken; Arbeitstage mit 12 bis 14 Stunden und oft nur zwei dreiminütige Toilettenpausen pro Tag.

 

1998 – Verschleierungsversuch der Geschäftsführung bei Arbeitsunfall

Am 20. April kam es zum zweiten ernsthaften Arbeitsunfall in sechs Monaten, als mehr als 30 Beschäftigte in der Kleiderfabrik Lourdes in der Freihandelszone American Park durch ein unbekanntes Gas in der Fabrik vergiftet wurden. Viele der Frauen wurden ohnmächtig – mehrere von ihnen waren schwanger. Das Unternehmen weigerte sich, Informationen weiterzugeben oder die Untersuchung des Falls zu unterstützen. Die Sicherheitskräfte des Unternehmens verweigerten dem Erste-Hilfe-Personal und der Polizei den Zugang zur Fabrik – auf Anweisung der Geschäftsleitung.

 

Aktivist(inn)en werden entlassen

Im August wurden in den Fabriken Formosa S.A. und Ever Grin, die Güter für Nike bzw. ADIDAS herstellen, 38 Arbeitnehmerinnen entlassen. Sie hatten die Arbeitsbedingungen in den Fabriken in einem Film kritisiert, der in Deutschland ausgestrahlt wurde. Comutras, die Frauenabteilung des Gewerkschaftsdachverbandes CTD, liess verlauten, dass zur Zeit 300 Gerichtsverfahren wegen der Wiedereinstellung von entlassenen Arbeitnehmer(inne)n anhängig sind.

Die Beschäftigten in mehreren FEZ berichteten über die Nichtzahlung der Jahresprämie und illegale Entlassungen. In dem Unternehmen Sara Lee Knit Products in der Zone El Pedregal wurde die Prämie nicht vollständig gezahlt, und 18 Beschäftigte wurden entlassen. Die Fabrik Roca Suppliers Search schloss den Betrieb, weil die Beschäftigten eine Gewerkschaft organisierten. Sie behauptete, keine Rohstoffe zu haben, verlagerte jedoch in Wirklichkeit den Betrieb in eine andere Fabrik.

 

Telefongesellschaft entlässt Gewerkschafter/innen

Ausserhalb der FEZ berichtete die Gewerkschaft ASTTEL bei der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft ANTEL 1997, ein im Juli im Parlament verabschiedeter Gesetzentwurf zur Privatisierung der Gesellschaft werde die gewerkschaftliche Organisierung zerstören, da dadurch der Gesellschaftsname geändert werde und Freisetzungen ermöglicht würden. Die neue Gesellschaft, CTE, habe die Möglichkeit, neue Beschäftigte mit auf 18 Monate befristeten Arbeitsverträgen einzustellen.

Am 2. Januar 1998 veranstaltete ASTTEL eine Versammlung, um eine neue Gewerkschaft zu gründen, die in dem privatisierten Unternehmen CTE anerkannt werden konnte. Am gleichen Tag sprach CTE 72 Gewerkschafter(inne)n, von denen 26 Gewerkschaftsführer/innen und Mitglieder von ASTTEL waren, die Kündigung aus. Die übrigen gehörten zu den drei anderen Gewerkschaften im Unternehmen. Polizei und Soldaten waren anwesend für den Fall von Unruhen.

Die Entlassungen verletzten das Gesetz, dass Gewerkschaftsführer/innen vor Kündigung schützt, sowie ein Abkommen, das am 27. Dezember 1997 mit den Gewerkschaften unterzeichnet worden war und das besagte, dass das Unternehmen den Tarifvertrag einhalten würde. Aus Erklärungen der Unternehmensleitung ging hervor, dass es bei den Entlassungen darum gehe, die Gewerkschaft zu beseitigen und das Unternehmen attraktiv für Auslandsinvestitionen zu machen. Die Behörden weigerten sich, die neue von den Beschäftigten bei CTE gegründete Gewerkschaft anzuerkennen.

 

Anerkennung der Gewerkschaft verweigert

Im November 1997 gründeten Beschäftigte in der Verarbeitungsabteilung von Pesquinsa, einer Garnelenfabrik in Acajutla, die in die USA exportiert, eine Gewerkschaft. Am 5. Januar wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass der Verarbeitsbereich geschlossen werde um repariert zu werden, und die Verarbeitung wurde in eine andere Fabrik verlagert.

Im Februar wurde ihr Antrag auf Eintragung vom Arbeitsministerium mit der Begründung abgelehnt, dass 11 der Arbeitnehmer/innen "keine Beschäftigten des Unternehmens" seien. Die Arbeitnehmer/innen gingen in Berufung und konnten beweisen, dass sie im Unternehmen beschäftigt sind, aber der Antrag wurde trotzdem zurückgewiesen. Sie waren der Auffassung, dass das Unternehmen das Ministerium gebeten hatte, die Anerkennung so lange wie möglich zu verzögern, um die Gewerkschaft zu zerschlagen. Die Arbeitnehmer/innen waren seit Ende Dezember nicht bezahlt worden.

Der Fall wurde an die Gerichte verwiesen. In der Zwischenzeit stellten die Frauen einen neuen Antrag. Sie waren im April immer noch ausgesperrt.

 

Arbeitsgesetz

Das Arbeitsgesetz verbietet Gewerkschaften im öffentlichen Sektor und untersagt Streiks in neun autonomen Regierungsbehörden. Konflikte werden per Zwangsschlichtung beigelegt. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst können Vereinigungen gründen, die in der Praxis Tarifverhandlungen führen und auch streiken.

Das Gesetz verbietet Gewerkschaften parteipolitische Tätigkeiten.

 

 

Guatemala

Einwohner: 10.928.000 Hauptstadt: Guatemala-Stadt Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111-138

 

Die Arbeitgeber haben alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um die Gewerkschaften zu zerschlagen. Das Arbeits- und Beschäftigungsgesetz wurde straflos missachtet, insbesondere in den Freien Exportzonen und auf den Bananenplantagen.

Rechtsverletzungen in den Maquiladoras

Die Rechtsverletzungen wurden in den Maquiladoras, wo ungefähr 80.000 Menschen, hauptsächlich Frauen, im wesentlichen in Kleiderfabriken, die für den Export in die USA produzieren, beschäftigt sind, fortgesetzt.

Handelspolitischer Druck und die kritische öffentliche Meinung veranlassten die Regierung 1996 dazu, ein Verfahren einzuführen, durch das gegen die Eigner von Maquiladora-Betrieben, die gegen das Gesetz verstiessen, Strafmassnahmen, einschliesslich der zeitweiligen Aussetzung der Ausfuhrgenehmigungen, verhängt werden konnten. Die Vereinbarung ist lediglich einmal angewendet worden. Eine zur Behandlung von Konflikten in den Maquiladoras (Freie Exportzonen) eingesetzte dreigliedrige Kommission blieb unwirksam.

 

Gewerbeaufsicht – ineffizient und korrupt

Ende 1996 wurden mehrere neue Arbeitsgerichte eingerichtet, aber das System war nach wie vor ineffizient, unangemessen und häufig korrupt. Beamte des Arbeitsministeriums arbeiten oft eng mit den Arbeitgebern zusammen, und es ist berichtet worden, dass das Arbeitsministerium Unternehmen im voraus über "unangekündigte Inspektionen" unterrichtet hat. Wenn die Beschäftigten im Gewerbeaufsichtsamt Beschwerde gegen Gesetzesverstösse erheben, dauert es oft mehrere Tage, bis ein Inspektor ernannt wird. Der Inspektor beginnt normalerweise damit, privat mit dem Fabrikbesitzer zu sprechen und sagt dann entweder, dass die Situation normal ist, versucht die Beschäftigten zu überzeugen, keine Beschwerde gegen den Arbeitgeber zu erheben, da sie sonst ihren Arbeitsplatz verlieren können, oder er versucht, die Beschäftigten davon zu überzeugen, weniger Geld zu akzeptieren, als ihnen geschuldet wird.

Die Inspektor(inn)en teilen den Arbeitgebern ebenfalls die Namen der Beschäftigten mit, die eine Gewerkschaft gründen, die dann entlassen werden, um die Gewerkschaft zu zerschlagen. Die Gewerkschaften werden ausserdem durch ständige Drohungen und Druck sowie durch Fabrikschliessungen zerschlagen. Durch eine Arbeitsgesetzänderung von 1992 wurde die Entlassung von Beschäftigten wegen der Organisierung von Gewerkschaften illegal, die Gewerkschaften berichteten jedoch, dass diese Gesetzesänderung entweder ignoriert oder falsch angewendet werde. Das Gesetz schreibt vor, dass illegal entlassene Beschäftigte binnen 24 Stunden wiedereingestellt werden müssen, aber das Arbeitsministerium hat keinerlei Befugnisse, um dies durchzusetzen.

 

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

In den Maquiladoras gibt es lediglich einen Tarifvertrag. Die Arbeitsbedingungen sind Berichten zufolge unmenschlich, und die Beschäftigten werden gezwungen, Überstunden zu arbeiten. Die Löhne sind niedrig, Frauen werden häufig sexuell belästigt, die Fabriken sind dunkel, laut und stickig.

Obwohl die Gewalt gegen aktive Gewerkschaftsmitglieder zurückgegangen ist, wird nach wie vor berichtet, dass Fabrikbesitzer und Arbeitgeber Schläger und Killer anheuern, um die Beschäftigten einzuschüchtern.

 

Schliessung der einzigen Maquiladora-Fabrik mit Tarifvertrag

Am 11. Dezember kamen ungefähr 500 Beschäftigte der Fabrik Camisas Modernas von Phillips-Van Heusen (PVH), der einzigen Maquiladora-Fabrik in den Freien Exportzonen mit Tarifvertrag, zur Arbeit, um ihr Weihnachtsgeld zu erhalten, mussten jedoch feststellen, dass Sicherheitskräfte den Eingang zur Fabrik blockierten. Die Beschäftigten erhielten eine schriftliche Kündigung, die besagte, dass die Fabrik geschlossen werde, weil das Unternehmen einen wichtigen Kunden verloren habe und die Kapazitäten nicht ausgelastet seien, dass sie jedoch weiter in Guatemala Arbeit nach aussen vergeben werde.

Sechs Wochen vorher hatte PVH das "vorübergehende Abkommen" der Partnerschaft der Geräteindustrie der USA unterzeichnet. Es hatte ausserdem den "Verhaltenskodex für die Arbeitsbeziehungen" der Partnerschaft der Geräteindustrie unterzeichnet, der das Recht auf Vereinigung anerkennt.

 

Langer Kampf für die Anerkennung der Gewerkschaften

Im März 1997 wurde ein sechsjähriger Kampf für das Organisierungsrecht gewonnen, als PVH zustimmte, mit der Gewerkschaft der Fabrik zu verhandeln, die sie 1996 noch zerschlagen wollte. Die Behörden hatten mit dem Unternehmen zusammengearbeitet und sich geweigert, die Gewerkschaft für Verhandlungen anzuerkennen, obwohl sie über die erforderlichen 25 Prozent Unterstützung der Belegschaft verfügte. Die Gewerkschaftsmitglieder waren bedroht worden.

Der geschäftsführende Direktor des Unternehmens gab den langjährigen Widerstand gegen die Gewerkschaft auf, nachdem er sich dazu bereit erklärte, die Ergebnisse einer Sonderuntersuchung von Human Rights Watch zu befolgen, die feststellte, dass das Unternehmen rechtlich verpflichtet sei, mit den Beschäftigten zu verhandeln. Später im Laufe des Jahres wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen.

 

Entlassungen verstiessen gegen Tarifvertrag

Der nationale Gewerkschaftsbund CUSG strengte Ende Dezember 1998 ein Gerichtsverfahren an und klagte PVH an, gegen den Tarifvertrag verstossen zu haben, insbesondere hinsichtlich der darin aufgeführten Forderung der 30tägigen Kündigungsfrist bei einer Änderung des Beschäftigungsstatus, wie zum Beispiel bei einer Unternehmensschliessung.

 

Zerschlagung der Gewerkschaft

Im November berichtete der Gewerkschaftsdachverband UNSITRAGUA, dass die Maquila-Eigentümer in den letzten Monaten einen Plan zur Zerschlagung der Gewerkschaften koordiniert und alle möglichen Arten von illegalen Massnahmen wie Entlassungen, verzögerte Zahlung der Löhne und Sozialleistungen, Schliessung und Verlagerung, Zerschlagung der Gewerkschaften, schwarze Listen usw. ergriffen hatten. Die Gewerkschaften forderten das Gewerbeaufsichtsamt auf einzuschreiten, aber die Behörden liessen lediglich verlauten, sie hätten keine Befugnisse, Massnahmen zu ergreifen. Aus Presseberichten des gleichen Monats ging hervor, dass 17 Maquiladora-Fabriken in den vergangenen Monaten das Land verlassen hätten, wobei sie Finanzprobleme und Schwierigkeiten mit den Arbeitnehmer(inne)n dafür verantwortlich machten.

Anfang des Jahres teilte die CUSG mit, dass die koreanische Kleiderfabrik in den Maquiladoras Daimi Atlantica S.A. Gründungsmitglieder der Gewerkschaft in einem Raum eingesperrt und sie gezwungen hatte, Dokumente zu unterzeichnen, durch die sie sich in Anwesenheit eines Notars von der Gewerkschaft distanzierten.

Am 3. März wurde die Arbeiterin Aracely Chacón del Cid von einem Mitglied der Betriebsleitung in der koreanischen Maquiladora-Fabrik Shin Kwang belästigt. Am 22. April entliess die Fabrik 37 Gewerkschaftsmitglieder, darunter drei schwangere Frauen, weil sie Kolleg(inn)en verteidigt hatten, die von der Betriebsleitung angegriffen worden waren. Die Beschäftigten erhoben Klage im Arbeitsministerium, das einschritt, um zu vermitteln. Die Fabrik blieb unnachgiebig, und der Fall wurde an ein Arbeitsgericht verwiesen.

Die schwangeren Arbeitnehmerinnen wurden wieder eingestellt. Einige der Beschäftigten erhielten eine neue Stelle in der Maquiladora, aber der Besitzer Shin Kwang schrieb ihre Namen auf eine schwarze Liste, um darauf hinzuweisen, dass es sich um Unruhestifter handelte, die einer Gewerkschaft beigetreten waren. Sie wurden entlassen.

 

Unbezahlte Löhne

Am 18. August forderten Beschäftigte einer anderen Maquiladora, dem koreanischen Unternehmen K-G Modas S.A., die Zahlung ihrer Löhne und Sozialleistungen. Die Löhne standen aus oder wurden nur unvollständig bezahlt. Die Gewerkschaft forderte die Arbeitsbehörden auf, einzuschreiten. Sie verwiesen den Fall an das Arbeitsgericht, das den Arbeitgeber aufgrund des langsamen Verfahrens begünstigte.

Am 27. August wurden 25 Beschäftigte bei K & G Modas entlassen, weil sie den seit vier Wochen ausstehenden Lohn gefordert hatten. Sie wurden nicht wiedereingestellt.

Am 13. Oktober verlagerte das koreanischen Unternehmen S & L Productions (ehemals M J Modas) die Produktion, ohne die Beschäftigten zu bezahlen. Die Arbeitnehmer/innen blieben in der Fabrik, um zu verhindern, dass die Maschinen entfernt würden.

 

Entschädigung für Todesfälle und Verletzungen wird verweigert

Am 12. November zwang der koreanische Besitzer der Fabrik Show Nam die Beschäftigten, Überstunden zu leisten und fuhr sie anschliessend im Minibus der Fabrik nach Hause. Er fuhr so schnell, dass es zu einem Unfall kam und vier Arbeitnehmer/innen getötet und vier verletzt wurden. Das Unternehmen weigerte sich, Schadenersatz zu zahlen.

 

Entlassungen und Freistellungen zur Zerschlagung der Gewerkschaften

Das koreanische Maquiladora-Unternehmen Mi-Kwang im Bezirk Najarito in der Gemeinde Villa Nueva von Guatemala-Stadt, das 1997 drei Mitglieder der Gewerkschaft UNSITRAGUA entführt und gefoltert hatte, legte die Fabrik im September still und entfernte die Materialien, Maschinen und Fertigprodukte. Im Oktober wurden alle Beschäftigte entlassen und die Gewerkschaft zerschlagen. Die Beschäftigten konnten keine neuen Stellen finden, weil sie auf einer schwarzen Liste standen.

Bei Confecciones Unidas S.A. gab der Besitzer den Beschäftigten zwei Tage Urlaub, indem er sagte, dass nicht genug Material und Arbeit zur Verfügung stehe. Als sie zurückkamen, beschuldigte er sie, ihre Arbeitsplätze verlassen zu haben und schloss die Fabrik.

Bei Confecciones Minerva S.A. und Tamport S.A. wurden 19 Beschäftigte, die eine Gewerkschaft gegründet hatten, am 19. November illegalerweise entlassen.

Der Besitzer der Fabrik Inexport S.A. aus den USA schuldete seinen Beschäftigten 13 Wochenlöhne und andere Leistungen, aber die Arbeitsbehörden waren nicht dazu in der Lage, das Unternehmen dazu zu bringen, seinen rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen.

 

Rechtsverletzungen auf den Bananenplantagen

Es kam 1998 zu schwerwiegenden Verletzungen der Gewerkschaftsrechte auf den Bananenplantagen. Am 24. Februar wurden 22 Beschäftigte, die versuchten, eine Gewerkschaft zu gründen, die der Bananenarbeitergewerkschaft SITRABI, einem Mitglied des Gewerkschaftsbunds CUSG, angeschlossen ist, unzulässigerweise entlassen. Fünf Tage zuvor hatten sie eine Verfügung erwirkt, um die Betriebsleitung davon abzuhalten, die Beschäftigten ohne Gerichtsurteil zu entlassen. Das Gewerbeaufsichtsamt stimmte Berichten zufolge einer Änderung der Daten zu, so dass die Entlassungen bereits wirksam waren, bevor die Verfügung erwirkt wurde. Der Inspektor wurde später entlassen.

Die Geschäftsleitung sperrte daraufhin alle Beschäftigten auf den beiden Plantagen Mopa und Panarama in Izabal aus, beschuldigte sie dann, einen illegalen Streik zu führen, und beantragte ihre Verhaftung. Die Plantagen sind im Besitz und werden vertraglich von Bandegua betrieben, einem Unternehmen, das der Alleinlieferant von Del Monte Fresh Produce ist, einem privaten Unternehmen mit Hauptsitz in den Vereinten Arabischen Emiraten.

Am 25. März wurde Bereitschaftspolizei eingesetzt, um die Haftbefehle auf den Plantagen Mopa und Panorama auszuführen. Sie führte Hausdurchsuchungen durch und versuchte, alle Beschäftigten gewaltsam zu vertreiben, nicht nur diejenigen, für die ein Haftbefehl vorlag. Die Beschäftigten versteckten sich, um die Verhaftung oder Räumung zu verhindern. Am nächsten Tag trafen die Gewerkschaft und die Betriebsleitung mit Beamt(inn)en des Arbeitsministeriums zusammen, die versuchten zu vermitteln.

Die dem SITRABI angeschlossenen Gewerkschaften auf anderen Plantagen führten anschliessend Dienst nach Vorschrift durch, um die entlassenen Beschäftigten zu unterstützen.

 

Einschüchterung

Eine ähnliche Situation entstand auf den Plantagen Arizona und Alabama, die ungefähr 350 Arbeitnehmer/innen beschäftigen und für das Unternehmen COBIGUA produzieren, das nur Chiquita-Marken liefert und seinen Geschäftssitz in Cincinnati, Ohio, hat. Am 9. Februar beantragten Beschäftigte, die versuchten, eine Gewerkschaft zu organisieren, die dem Gewerkschaftsdachverband UNSITRAGUA angeschlossen ist, eine Verfügung, um zu verhindern, dass die Beschäftigten ohne Gerichtsurteil entlassen würden.

Am 12. Februar wurden 22 Beschäftigte, darunter ihr Vorstand, ohne Gerichtsurteil entlassen. Ausserdem schloss die Betriebsleitung den Betrieb auf den Plantagen.

Die Betriebsleitung hatte die Beschäftigten ausserdem mit bewaffneten Schlägern eingeschüchtert, damit gedroht, die Plantagen für immer zu schliessen, sich geweigert, es den Beschäftigten zu erlauben, zur Arbeit zurückzukehren, wenn sie kein leeres Blatt Papier oder eine gewerkschaftsfeindliche Erklärung unterschrieben, sie hatte Beschäftigten, denen sie noch ausstehende Lohnzahlungen schuldete, gezwungen, Quittungen zu unterzeichnen, die gewerkschaftsfeindliche Erklärungen enthielten, und sie beschuldigte die Gewerkschaft, einen illegalen Streik zu führen.

 

Arbeitnehmer erschossen

Am 14. April führten die Beschäftigten auf dem Gut El Paraiso in Morales, Izabal, das im Besitz von Del Monte Fresh Produce ist und von Bandegua betrieben wird, einen Streik zur Unterstützung von 16 Beschäftigten, die illegal entlassen wurden, weil sie versucht hatten, eine Gewerkschaft zu gründen, obwohl die Gewerkschaft eine Verfügung gegen die Entlassung erwirkt hatte. Die Beschäftigten der Plantage Mopa sahen einen Hubschrauber in der Nähe von El Paraiso über der Freien Exportzone fliegen. Als der Hubschrauber landete, sahen sie Sicherheitskräfte mit verschiedenen Arten von Schusswaffen, darunter AK-47-Gewehre, aussteigen. Einer der Wachleute sah die Beschäftigten und schoss auf sie, wobei er Oscar René Soto traf.

Am 19. April wurde ein weiterer Beschäftigter, José Maria Antonio Hernández, von dem gleichen Wachposten erschossen, als die Beschäftigten die Sicherheitskräfte dabei beobachteten, wie sie Produktionsmaterial von El Paraiso entfernten. Auf die Beschäftigten der Plantage, die versuchten, eine Gewerkschaft zu organisieren, war zu Beginn des Monats geschossen worden. Beide Arbeitnehmer wurden einige Tage später aus dem Krankenhaus entlassen. Der Wachposten war bis Ende Juni noch nicht verhaftet worden.

 

Räumungsbefehl

Am 29. April erneuerte ein Richter nach dem Urteil des Berufungsgerichts den Räumungsbefehl vom März, um die Beschäftigten der Mopa- und Panorama-Plantage zu vertreiben.

Schliesslich griff Del Monte Fresh Produce ein und versuchte, die Kontrolle über die Mopa- und Panorama-Plantage zurückzugewinnen. Chiquita schritt nicht ein. Trotz der Anträge bei den Behörden war keine der Gewerkschaften anerkannt worden.

Am 4. Mai veranstalteten mehr als 5000 Bananenarbeiter/innen eine 17stündige Demonstration auf der Autobahn zwischen Guatemala-Stadt und Puerto Barrios in Izabal und forderten die Achtung des Arbeitsgesetzes sowie die Einrichtung einer Kommission zur Lösung der Probleme auf den Bananenplantagen. Die Kommission wurde eingerichtet und bestand aus dem Menschenrechtsbeauftragten, dem Arbeitsminister, Vertretern der Regierung, des Obersten Gerichts, der Bananenunternehmen, von CUSG sowie UNSITRAGUA. Sie hielt zwei Sitzungen ab.

 

Verhaftungen

Am 12. Mai wurden zwei Funktionäre von SITRABI, Edgar Rolando Chávez Abrego und Santos Efraín Calles Ávila, von den Sicherheitskräften verhaftet, als sie eine Sitzung der Kommission verliessen.

Es gab ausserdem Berichte über die Unterdrückung der entstehenden Gewerkschaften auf den Plantagen COBSA und KIOBA.

 

Arbeitsbehörden arbeiten stillschweigend mit den Arbeitgebern zusammen

Die Beschäftigten des Unternehmens Hidrotécnica S.A., das Trinkwassersysteme installiert, hatten im Februar 1997 mit der Hilfe eines CUSG-Beraters eine Anweisung des Arbeitsgerichts erwirkt, das Unternehmen davon abzuhalten, Beschäftigte zu entlassen, die eine Gewerkschaft organisierten. Sobald das Unternehmen dies herausfand, schrieb es Kündigungen mit dem Datum vier Tage vor der Gerichtsanweisung. Die Briefe trugen das Siegel des Gewerbeaufsichtsamtes.

Bevor die Beschäftigten die Briefe erhielten, forderten sie den Inspektor im Gewerbeaufsichtsamt auf, eine Erklärung abzugeben, in der klargestellt würde, wie das Unternehmen die Beschäftigten entlassen habe, und zu bestätigen, dass die Briefe und das Siegel illegal und gefälscht seien. Der Inspektor folgte der Forderung der Gewerkschaften. Er gab später eine weitere Erklärung ab, die besagte, dass die Briefe und das Siegel echt seien und dass er Unterlagen darüber habe. Das Unternehmen entliess die Beschäftigten.

Die Gewerkschaft ging mit dem Fall vor Gericht. 1998 legte das Unternehmen dem Gericht sechs Erklärungen mit gefälschten Unterschriften von Beschäftigten vor, die sich selbst von dem Konflikt distanzierten und die von einem Notar beglaubigt worden waren. Das Gericht weigerte sich, die Klage der Gewerkschaften, die Unterschriften seien falsch, zuzulassen. Die Gewerkschaft erhob erneut Klage, der Arbeitsminister zeigte sich schliesslich kooperativ, und die Gewerkschaft konnte einen Experten zu Rate ziehen, der ein Urteil über die Echtheit der Unterschriften abgab.

 

Entlassungen und Todesdrohungen

Am 6. April erhielten die Ausschussmitglieder der Gewerkschaft SIMTRAMGUASR in der Gemeinde Guazacapán Todesdrohungen. Die Gewerkschaften hatten die Achtung ihrer Rechte und die Zahlung der Löhne, die seit Februar nicht ausgezahlt worden waren, gefordert. Der Bürgermeister weigerte sich, mit ihnen zu verhandeln.

Die SINRAPORT-Mitgliedsgewerkschaft CUSG in Santo Tomás de Castilla teilte mit, dass der Hafenleiter versuche, die Gewerkschaft zu zerschlagen, indem ihre Mitglieder entlassen würden und indem den Beschäftigten Geld dafür geboten werde, die Gewerkschaft zu verlassen und sich einer solidaristischen Vereinigung anzuschliessen, die die Betriebsleitung gründete.

Im Juli entliess der neue Bürgermeister der Gemeinde Cubulco im Bezirk Baja Verapaz alle Beschäftigten zu einer Zeit, in der die Mitgliedsgewerkschaft der CUSG ihren ersten Tarifvertrag verhandelte.

Ebenfalls im Juli liess die Gewerkschaft CUSG verlauten, dass das Unternehmen Empresa Tropigas, das Propangas vertreibt, William Dubon zu seinem neuen Direktor ernannt habe, der offen versuche, die Gewerkschaft zu zerstreuen und sich weigere, mit ihr zu verhandeln. Er liess Gewerkschaftsmitglieder in sein Büro rufen und zwang sie, ihre Kündigung zu unterschreiben. Zwanzig bewaffnete Polizist(inn)en wurden im Unternehmen aufgestellt, um die Beschäftigten einzuschüchtern. Der Direktor verfolgte den Gewerkschaftssekretär Daniel Pérez Tosh, der sich beim Generalstaatsanwalt beschwerte, ganz offen. Die CUSG teilte anschliessend mit, sie fürchte um das Leben von Daniel Pérez Tosh und seiner Familie.

Im September erhielten die drei Funktionärinnen und Funktionäre Luisa Archia, Guillermo Rosas und Luis Fuentes, die am Gewerkschaftsentwicklungsprojekt von Guatemala mit dänischer Finanzierung mitarbeiten, telefonische Todesdrohungen von einer Todesschwadron mit dem Namen "Schwarze Jaguar". Ihnen wurde gesagt, dass sie und ihre Kinder tot aufgefunden würden, wenn sie ihre Gewerkschaftsarbeit nicht einstellten.

 

Einschränkungen des Gesetzes

Das Arbeitsgesetz ermöglicht eine strenge Überwachung der Gewerkschaftsarbeit durch die Regierung. Die Beschäftigten müssen die guatemaltekische Staatsbürgerschaft besitzen, um eine Gewerkschaft zu gründen oder sich für ein Gewerkschaftsamt zu bewerben. Die Gründungsfunktionärinnen und -funktionäre einer Gewerkschaft müssen im Unternehmen arbeiten, das sie vertreten und eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie nicht vorbestraft sind. Drei der Gründer/innen müssen lesen und schreiben können.

Wenigstens zwei Drittel der Belegschaft und der Gewerkschaftsmitglieder müssen für einen Streik stimmen. Landarbeiter/innen dürfen während der Ernte nicht streiken, und die Regierung kann Streiks verbieten, wenn sie davon ausgeht, dass sie der Volkswirtschaft ernsthaft schaden. Die Beschäftigten können verhaftet werden, wenn sie einen illegalen Streik ausrufen, und die Polizei kann gerufen werden, um dafür zu sorgen, dass die Arbeit weitergeht.

Personen, die versuchen, Unternehmen, die zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitragen, zu lähmen oder zu stören, um die nationale Produktion zu gefährden, können mit einer Haftstrafe zwischen einem und fünf Jahren bestraft werden. Nach einem Gesetz von 1996 kann eine verbindliche Schlichtung mit Streikverbot in öffentlichen Diensten vorgeschrieben werden, die keine wesentlichen Dienste sind, insbesondere im öffentlichen Verkehr und bei der Treibstoffversorgung. Die Gewerkschaften teilten mit, dass sie dies davon abhalte, gegen die Privatisierung der Staatsunternehmen zu streiken.

Die Regierung teilte mit, dass ein dreigliedriger Ausschuss, der 1997 zusammentrat, die obigen Aspekte des Gesetzes für den Entwurf eines Gesetzes erörtert habe, dass jedoch keine Einigung erzielt worden sei.

Zwei Drittel der Mitglieder einer Gewerkschaft müssen abstimmen, um es den Funktionär(inn)en zu ermöglichen, Verhandlungen über einen Tarifvertrag aufzunehmen oder abzuschliessen. Bei der Vorlage eines Abkommens muss der Arbeitsbehörde eine Bescheinigung darüber vorgelegt werden.

 

Solidaristische Vereinigungen

Es gibt ungefähr 450 solidaristische Vereinigungen in Guatemala, die von den Arbeitgebern gegründet wurden, um die Gewerkschaften zu unterwandern.

 

 

Haiti

Einwohner: 7.259.000 Hauptstadt: Port-au-Prince Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111

 

In den Exportveredelungsbetrieben, den sogenannten Maquiladoras, wurden die Gewerkschaftsrechte weiterhin verletzt, und der Streit über entlassene Gewerkschaftsmitglieder des staatlichen Elektrizitätsversorgungsunternehmens blieb ungelöst.

Arbeitsrecht aus der Zeit der Diktatur

Das Arbeitsgesetz stammt noch aus der Duvalier-Ära.

Dieses Gesetz steht im Widerspruch zur Verfassung, die den Beschäftigten des öffentlichen und des privaten Sektors Gewerkschaftsrechte garantiert, denn es erkennt das Vereinigungsrecht der öffentlichen Bediensteten nicht an. In der Praxis existieren jedoch Gewerkschaften der öffentlichen Dienste.

Das Strafgesetz schreibt vor, dass die Regierung eine Vorabgenehmigung erteilen muss, bevor eine Vereinigung von mehr als 20 Personen gegründet werden kann.

Ein Erlass aus dem Jahr 1983 räumt der Regierung weitreichende Befugnisse ein, um Gewerkschaften zu überwachen und sich in die Ausarbeitung von Tarifverträgen einzumischen.

Es gibt keinen angemessenen gesetzlichen Schutz für die Beschäftigten vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung zum Zeitpunkt der Einstellung, und eine Wiedereinstellung von wegen Gewerkschaftsaktivitäten entlassenen Beschäftigten ist auch nicht gesetzlich garantiert.

Das Arbeitsgesetz schränkt Streiks ein.

 

Verletzung der Grundrechte in den Maquiladoras

In Haitis Exportveredelungsbetrieben oder Maquiladoras, in denen rund 27.000 Menschen beschäftigt sind, kam es erneut zu Gewerkschaftsrechtsverletzungen.

Die Beschäftigten in den Maquilabetrieben berichten häufig von körperlichen Misshandlungen, Beschimpfungen und Löhnen, die weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Arbeitnehmerinnen werden sexuell belästigt. Die Fabrikbesitzer schreiben hohe Produktionsquoten vor. Beschäftigte, die sich beschweren, werden entlassen.

 

Gewerkschaftszerschlagung bei Subunternehmen von Walt Disney

Wie bereits 1997 gab es erneut Berichte über die Zerschlagung von Gewerkschaften in den Textilfabriken in den Maquiladoras, die im Auftrag von US-Herstellern produzieren, die wiederum Lizenznehmer der Walt Disney Corporation sind. Die Bekleidungsartikel werden von führenden US-Einzelhandelsunternehmen vertrieben.

Die Megatex-Fabrik in der Hauptstadt Port-au-Prince produziert Bekleidungsartikel für Walt Disney und andere Gesellschaften. Beschäftigte dieser Fabrik, von denen vermutet wurde, dass sie eine gewerkschaftliche Organisierung betrieben, wurden entweder zwangsbeurlaubt oder entlassen. Andere, die einer Gruppe von Inspektoren Bericht erstattet hatten, wurden ebenfalls zwangsbeurlaubt. Sie wurden aufgrund des internationalen Drucks wiedereingestellt. Im August beantragten die Beschäftigten die offizielle Anerkennung ihrer neugegründeten Gewerkschaft.

Im Oktober drohte ein Fabrikaufseher zwei Gewerkschaftsmitgliedern, darunter dem Gewerkschaftskoordinator, mit Gewalt. Er drohte ihnen ferner mit Entlassung. Der Fabrikbesitzer brach die Gespräche mit der Gewerkschaft unter einem Vorwand ab und kündigte dann an, dass er eine seiner beiden Fabriken schliessen werde – obwohl die Beschäftigten Überstunden arbeiteten, um die sehr hohen Produktionsquoten zu erfüllen. Die Beschäftigten vermuteten dahinter den Versuch, die Gewerkschaft zu zerschlagen.

 

FEZ

Im November erklärte die Regierung ihre Absicht, zwei Freie Exportzonen zu eröffnen – eine in Cabaret bei Port-au-Prince und eine in Cap Haitien an der Nordküste.

 

Keine Lösung im Streit um entlassene Gewerkschaftsmitglieder

Es gab keine Lösung in dem Streit um die Situation beim staatlichen Elektrizitätsversorgungsunternehmen EDH, wo mehr als 400 Mitglieder der Gewerkschaft FESTRED’H, darunter 30 Mitglieder der Gewerkschaftsführung, Ende 1996 entlassen worden waren. Zum Konflikt war es gekommen, nachdem das Unternehmen einen Gewerkschaftsfunktionär schikaniert hatte. Der eigentliche Dorn im Auge des Arbeitgebers war jedoch vermutlich der von der Gewerkschaft Jahre zuvor gegen die Privatisierung aufgebotene Widerstand.

Die entlassenen Gewerkschaftsmitglieder blieben arbeitslos und haben keine Möglichkeit gehabt, Schritte zur Lösung dieses Konfliktes zu unternehmen, weil es an entsprechenden institutionellen Einrichtungen und am guten Willen der Behörden mangelt - einmal ganz abgesehen von der politischen Krise, die dem Land Ende 1998 eine bereits achtzehn Monate dauernde Zeitspanne ohne Regierung beschert hatte.

 

 

Honduras

Einwohner: 5.816.000 Hauptstadt: Tegucigalpa Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111-138

 

Die Arbeitnehmer/innen wurden unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt, insbesondere in den Freien Exportzonen und auf den Bananenplantagen, wo sie ernsthaften Gesundheitsrisiken ausgesetzt waren. Im Mai wurde ein Arbeiterführer der Bananenplantagen, der die Bananenunternehmen der USA aufgefordert hatte, die Beschäftigten für die Auswirkungen der Pestizide zu entschädigen, erschossen.

Die Beschäftigten werden ernsthaften Gesundheitsrisiken ausgesetzt

Im Februar setzte die Regierung eine Kommission ein, um die Benutzung des Pestizids Nemagon auf den Bananenplantagen zu untersuchen, nachdem festgestellt wurde, dass von 2000 in der Region geborenen Kindern 18 an Hirnlosigkeit leiden (eine Krankheit, bei der der Fötus kein Gehirn entwickelt), seitdem die Standard Fruit Company, ein Tochterunternehmen der Dole Food Company aus den USA, 1997 damit begonnen hatte, die Plantagen nachts mit dem Pestizid zu bespritzen. Das Unternehmen dementierte, dass es seit den 60er Jahren Nemagon benutzt habe.

Ehemalige Bananenarbeiter/innen besetzten eine wichtige Autobahn, um Ausgleichszahlungen für Krankheiten und Sterilität zu fordern.

Im April stellte die Regierung fest, dass die von den Unternehmen benutzten Pestizide dazu geführt haben, dass Tausende von Beschäftigten steril werden.

Am 3. Mai veröffentlichte die Zeitung "The Cincinnati Enquirer" in den USA eine Serie über die Praktiken des Unternehmens Chiquita, durch die die Beschränkungen für den Landbesitz umgangen werden, die Beschäftigten Gesundheitsrisiken ausgesetzt und die Gewerkschaften mit Gewalt unterdrückt werden. In den Artikeln war ebenfalls die Rede davon, dass die Sicherheitskräfte von Chiquita einen Bananenarbeiter eingeschüchtert und dann erschossen hätten. Die Zeitung nahm die Geschichte im August zurück und entschuldigte sich bei Chiquita. Sie zahlte Schadenersatz in Höhe von 10 Millionen Dollar an das Unternehmen.

 

Gewerkschaftsführer erschossen

Am 12. Mai wurde der Führer der Bananenarbeiterbewegung erschossen, der die Unternehmen aus den USA angeklagt hatte, toxische Pestizide zu benutzen. Medardo Reyes Varela wurde in Sava im Norden des Landes von zwei Männern angegriffen. Er hatte gegenüber der Standard Fruit Company aus den USA, ehemals Castle & Cooke, und Chiquita dafür gekämpft, dass sie Tausenden von Beschäftigten, die von der Benutzung von Pestiziden betroffen waren, eine Entschädigung zahlen.

 

Gewerkschaftsmitglieder entlassen

Im Dezember entliess Chiquita wenigstens 5000 Mitglieder der Bananenarbeitergewerkschaft SITRAERCO, nachdem das Unternehmen nach den Zerstörungen durch den Wirbelsturm Mitch öffentliche Verpflichtungen über die Wiederherstellung der durch Sturm beschädigten Plantagen und der Gewerkschaftsrechte sowie der Tarifverhandlungen eingegangen war. Das Unternehmen drohte mit einem Rückzug aus Honduras, um Druck auf die Gewerkschaft auszuüben, ein Abkommen zu unterzeichnen, das die Gewerkschaft zwingt, auf viele der erreichten Ziele zu verzichten.

 

Unzumutbare Bedingungen offengelegt

Nachdem die Arbeitsbedingungen in den honduranischen Maquiladoras, in denen mehr als 90.000 Menschen beschäftigt sind, 1996 in den USA offengelegt wurden, kündigten die Hersteller strengere Kontrollen ihrer Zulieferfabriken an. Viele der Fabriken in den FEZ sind im Besitz von ausländischen Arbeitgebern, die Kleidung für den US-Markt herstellen. Die Regierung hat ebenfalls Anstrengungen unternommen, um das Arbeitsministerium zu modernisieren und das Gewerbeaufsichtsamt zu verbessern.

Anfang der 90er Jahre hatte es Anreize für die Investoren gegeben, indem ihnen versprochen wurde, dass das Arbeitsgesetz in den Zonen keine strenge Anwendung finden werde und Gewerkschaften nicht toleriert würden. Die Gewerkschaftsrechtsverletzungen nahmen zu, und die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich.

 

1998 – die Verfolgung dauert an

1998 gab es weiterhin Berichte, dass die Arbeitgeber die Beschäftigten verfolgen, die ihre Rechte forderten oder die verdächtigt wurden, Gewerkschaften zu organisieren. Die Arbeitgeber gründeten weiterhin solidaristische Vereinigungen oder andere Formen betrieblich kontrollierter Gewerkschaften und führten schwarze Listen der entlassenen Gewerkschafter/innen.

In den Gerichten gab es einen grossen Stau von Klagen, die Beschäftigte, die entlassen worden waren, weil sie versucht hatten, Gewerkschaften zu organisieren, in bezug auf die Wiedereinstellung und die Zahlung der ausstehenden Löhne erhoben hatten.

Im Mai besetzten ungefähr 800 Beschäftigte in der koreanischen Maquiladora Seolin Capital Variable in Baracoa die Fabrik, weil ihr Lohn nicht gezahlt worden war. Sie waren mehrere Monate lang betrogen worden, indem sie ohne Bezahlung Überstunden geleistet hatten. Die Arbeiterführer wurden für drei Tage ohne Bezahlung suspendiert, nachdem sie die Zahlung der ausstehenden Löhne gefordert hatten.

Im August gab es Berichte über körperliche Misshandlungen und erniedrigende und unsichere Bedingungen, insbesondere in den südkoreanischen und taiwanesischen Fabriken. Die Beschäftigten durften nicht zur Toilette gehen, ihnen wurde angedroht, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie schwanger werden, sie bekamen keine Zeit, zum Arzt zu gehen, und sie wurden erniedrigt und sexuell belästigt.

Am 11. März wurden mehr als 100 Beschäftigte, die die Büros des Bürgermeisters von El Progreso mehr als eine Woche lang besetzt hatten, mit Gewalt vertrieben. Der Bürgermeister hatte dreissig Gewerkschaftsmitglieder entlassen. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft wurden abgebrochen, als der Bürgermeister sich dazu bereit erklärte, 23 Beschäftigte wiedereinzustellen, sieben andere aber nicht. Die Beschäftigten hatten gestreikt.

 

Das Arbeitsgesetz

Die Regierung hat der IAO mitgeteilt, dass der Arbeitsgesetzentwurf von Dezember 1995, der nach dreigliedrigen Diskussionen erarbeitet worden war, die meisten der folgenden Bestimmungen aufhebt.

Das Arbeitsgesetz gilt für bestimmte Landarbeiter/innen nicht und lässt lediglich eine Gewerkschaft pro Betrieb oder Einrichtung zu. Nach dem Beamtengesetz haben die Beschäftigten im öffentlichen Sektor (mit Ausnahme der Staatsbetriebe) kein Streikrecht.

Gewerkschaftsfunktionärinnen und -funktionäre müssen die honduranische Staatsangehörigkeit besitzen und in dem Sektor beschäftigt sein, den die Gewerkschaft vertritt.

Die Beschäftigten können nur dann streiken, wenn sich zwei Drittel der Gewerkschaftsmitglieder dafür aussprechen. Bünde und Dachverbände können nicht zu einem Streik aufrufen, und im Falle von Konflikten in den nichtwesentlichen öffentlichen Diensten kann eine Zwangsschlichtung angeordnet werden. Die Regierung muss Streiks in öffentlichen Diensten, die nicht direkt oder indirekt vom Staat abhängen, genehmigen, und das Arbeitsministerium kann Streiks im Ölsektor beenden.

Der Entwurf hob das Verbot von mehr als einer Gewerkschaft in einem Betrieb oder einer Einrichtung jedoch nicht auf. Die Ölindustrie wurde weiterhin als wesentlicher Dienst definiert, in dem eine Zwangsschlichtung angeordnet werden kann, und auch andere Beschränkungen des Streikrechts im öffentlichen Sektor wurden beibehalten.

 

 

Kanada

Einwohner: 29.700.000 Hauptstadt: Ottawa Ratifizierte Übereinkommen: 105-87-100-111

 

Die kanadische Bundesregierung und die verschiedenen Provinzregierungen nutzen weiterhin die Gesetzgebung, um in Tarifverhandlungen einzugreifen und die gewerkschaftlichen Rechte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu verletzen.

Öffentlicher Dienst - Eingriff in gewerkschaftliche Rechte

Obwohl 1997 auf Bundes- und Provinzebene die Geltungsdauer verschiedener gesetzlicher Bestimmungen zur Einschränkung des Tarifverhandlungsrechtes der Beschäftigten im öffentlichen Dienst auslief, erkennen sowohl die Bundesregierung als auch die Provinzregierungen die Rechte der Angestellten im öffentlichen Dienst nicht voll und ganz an. Diese Tendenzen werden in den neuesten Gesetzestexten deutlich:

die Gesetzesänderung im Hinblick auf die öffentlichen Schulen, Manitoba Public Schools Amendement Act von 1997, mit der die Befugnisse der Mitglieder von Schlichtungsausschüssen eingeschränkt werden;

die Gesetzesvorlage des Bundes C-24, 1997, zur Weiterführung der Postdienste, Postal Services Continuation Act, wonach Tarifverhandlungen untersagt sind;

Ontario: Savings and Restructuring Act (Gesetz zu Einsparungen und Modernisierung) aus dem Jahre 1996, (Gesetzentwurf 26), besonders Programm Q; das Gesetz Public Sector Transition Stability Act (Stabilität für den Übergang im öffentlichen Sektor) aus dem Jahre 1997, (Gesetzesvorlage 136), insbesondere das Programm A; das Gesetz Public Sector Dispute Resolution Act (Beilegung von Konflikten im öffentlichen Dienst) von 1997; das Gesetz Social Contract Act (Gesellschaftsvertrag) aus dem Jahre 1993, (Gesetzentwurf 48); diese Gesetze regeln in bestimmten Bereichen des öffentlichen Sektors die gesetzlich vorgeschriebene Interessensschlichtung und ermöglichen den Behörden, bei Schiedsverfahren und vor Arbeitsgerichten einzugreifen;

das Gesetz aus Ontario Education Quality Improvement Act (Qualitätsverbesserungen im Bildungswesen) von 1997, das die Tarifverhandlungen einschränkt;

die Beibehaltung des Sakskatchewan Power Corporation’s Operations Act (Stromerzeugung und -versorgung) von 1998, mit dem eine abgelaufene Vereinbarung ausgeweitet, neue Löhne festgelegt und das Streikrecht für drei Jahre aufgehoben wurde.

 

Neufundland

In Neufundland ist vielen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Beitritt zu einer Gewerkschaft ihrer Wahl untersagt. Das Streikrecht im öffentlichen Dienst ist eingeschränkt, da der Arbeitgeber die wesentlichen Dienste mit weitreichenden Befugnissen festlegen kann. 1998 teilte die Provinzregierung der IAO mit, dass nun ein wirksames Verfahren zur Definition wesentlicher Dienste erarbeitet worden sei.

 

Ontario

In Ontario fallen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, Hausangestellte, Architekten, Zahnärzte, Landvermesser, Rechtsanwälte und Ärzte nicht unter den rechtlichen Rahmen, mit dem die gewerkschaftlichen Rechte geschützt werden. Durch die Gesetzesänderungen zu den Arbeitsbeziehungen und dem Beschäftigungsstatus aus dem Jahre 1995 wurden diese Berufsgruppen von den Schutzklauseln des in Ontario geltenden Arbeitsbeziehungsgesetzes wie auch von anderen Bestimmungen zur Regelung von Tarifverhandlungen für Beschäftigte in bestimmten Bereichen ausgeschlossen. Diese Gesetze hatten zur Folge, dass die bestehenden Vereinigungsrechte der Arbeitnehmer aufgehoben wurden, und dass geltende Tarifvereinbarungen ihre Gültigkeit verloren. Durch diese Gesetzgebung wurden bestehende Schutzbestimmungen im Hinblick auf die Anerkennung von Gewerkschaften und der Tarifverträge für Vertragsarbeit im Dienstleistungssektor, wie z.B. bei Reinigungsdiensten, im Lebensmittelbereich und bei Sicherheitskräften, im Falle eines Verkaufs des Betriebes oder eines Auftragnehmerwechsels aufgehoben.

 

1998: Gesetz zur Verhinderung von Gewerkschaftsgründungen

Im Mai 1998 nahm Ontario das Gesetz zur Verhinderung gewerkschaftlicher Organisationstätigkeit im Hinblick auf die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft gemäss dem Beschäftigungsgesetz, Ontario Works Act, von 1997 (Gesetzesvorlage 22) in die Gesetzgebung auf. Nach den arbeitsrechtlichen Bestimmungen von Ontario ist es den Beschäftigten nunmehr untersagt, sich einer Gemeinschaft anzuschliessen (Arbeit – der Erhalt von Leistungen wird durch die Arbeitspflicht bedingt), Gewerkschaften beizutreten, Tarifverhandlungen zu führen oder zu streiken. Das Gesetz wurde 1999 verabschiedet.

 

Alberta

In Alberta unterliegt das Streikrecht für Beschäftigte in staatlichen Krankenhäusern weiterhin Einschränkungen. Hiervon betroffen sind auch das Küchenpersonal, Pförtner und Gärtner. Schiedsverfahren zur Beilegung von Konflikten sind vorgesehen, doch sind von derartigen Verfahren folgende Themen ausgenommen: Arbeitsorganisation, Aufgabenverteilung, Festlegung der Beschäftigtenzahl, Arbeitsplatzbewertungen, Arbeitsplatzwahl, Stellenbesetzungen, Beförderung, Schulung, Versetzungen und Pensionen. Das Gesetz enthält detaillierte und strenge Einschränkungen sowie Leitlinien, und die Schlichter müssen diese bei ihren Entscheidungen genau befolgen.

 

Alberta – Privater Sektor

Albertas gesetzlichen Bestimmungen zu den Arbeitsbeziehungen im Privatsektor bieten der Regierung übermässige Möglichkeiten, in Tarifverhandlungen einzugreifen, und den Arbeitgebern zahlreiche Wege, die Gewerkschaft als Sozialpartner bei Verhandlungen zu umgehen. Die Eingriffsmöglichkeiten des Arbeitgebers machen es den Beschäftigten im Einzelhandel und im Bankensektor nahezu unmöglich, sich gegen starken Widerstand der Arbeitgeberseite durchzusetzen. Mit der Überarbeitung der rechtlichen Bestimmungen im Jahre 1998 wurde eine Verschiebung der Befugnisse der Stelle für Arbeitsbeziehungen vorgenommen: bei Feststellung gravierender unlauterer Beschäftigungspraktiken wird automatisch ein Verhandlungsgremium ernannt.

Teil 88 des Gesetzes enthält das Verbot für den Arbeitgeber, Streikbrecher einzusetzen, und sieht vor, dass Streikbrecher den Streikenden nur dann "vorgezogen" werden können, wenn es nach dem Konflikt um die Rückkehr an den Arbeitsplatz geht. Streikende müssen sich dann innerhalb eines befristeten Zeitraums schriftlich bewerben. Die Behörden setzen gegen Streikende und Streiks auch gerichtliche Verfügungen ein und greifen während der Streiks auch auf ein übermässiges Polizeiaufgebot zurück.

In Alberta und New Brunswick haben Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Gartenbau weder das Recht, sich zu organisieren, noch dürfen sie Tarifverhandlungen führen.

 

Die Bundesregierung

Vor kurzem hat die Bundesregierung das Bundesarbeitsgesetz geändert, um Tätigkeiten festzulegen, die auch im Falle eines Streiks gewährleistet werden müssen. Durch die Änderung ist es den Arbeitgebern nunmehr ausdrücklich untersagt, bei einem Streik auf Ersatzarbeitskräfte zurückzugreifen.

 

McDonald’s weigert sich, Gewerkschaft anzuerkennen

Fast während des gesamten Jahres 1997 gelang den Beschäftigten des McDonald’s-Restaurants in Saint-Hubert, Montreal, Quebec, die gewerkschaftliche Anerkennung nicht, da die Bestimmung des zuständigen Verhandlungsgremiums übermässig verzögert wurde.

Im Februar 1998 waren 51 von 62 Beschäftigten der Gewerkschaft beigetreten. Das Restaurant wurde von der Geschäftsleitung geschlossen. Am 2. März nahmen die Behörden von Quebec die Eintragung der Gewerkschaft vor, zwei Wochen nachdem die Leitung das Restaurant wegen unzureichender Gewinne geschlossen hatte. Nichts deutete auf die Richtigkeit dieser Aussage hin, und es wurde davon ausgegangen, dass es sich dabei vielmehr um eine Vorsichtsmassnahme handelte, um der gesetzlichen Verpflichtung, die Gewerkschaft anzuerkennen, nicht nachkommen zu müssen.

 

Gewerkschaften zerschlagen

Anfang 1998 berichtete die International Longshore and Warehouse Union-Canada, dass Sultrans Ltd., ein teilweise zu Shell gehörender Konzern, im Hafen von Vancouver Gewerkschaften zerschlagen habe. Sultrans sorgte für die Übergabe von Proben und Tests von S.G.S. Ltd. und PKB Scania an Certapec Inc. – ohne Gewerkschaften. Bei dem Konflikt kam es zur Festnahme von 29 Gewerkschaftsmitgliedern.

 

 

Kolumbien

Einwohner: 36.444.000 Hauptstadt: Bogotá Ratifizierte Übereinkommen: 29-105-87-98-100-111

 

Mehr als 90 Gewerkschafter/innen wurden ermordet. Acht von ihnen, darunter der Vizepräsident des Gewerkschaftsdachverbandes CUT, Jorge Ortega, wurden während eines Generalstreiks ermordet. Es gab eine Zunahme der Todesdrohungen gegen Gewerkschafter/innen und eine Zunahme in der Zahl der Personen, die gezwungen wurden, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Behörden unternahmen keine Massnahmen, um die Aktionen der paramilitärischen Gruppen, die völlig ungestraft handelten, zu kontrollieren.

Die IAO kritisiert die Regierung

Die IAO hat die Regierung kritisiert und mitgeteilt, dass sie seit November 1996 keine Informationen über einen einzigen Fall von Verhaftung, Gerichtsverfahren und Verurteilung von Personen, die für den Mord an Gewerkschafter(inne)n verantwortlich sind, erhalten hat.

 

Verbindung zwischen den paramilitärischen Gruppen und den Sicherheitskräften

Die Verbindungen zwischen den paramilitärischen Gruppen und gegenwärtigen oder früheren Mitgliedern der Sicherheitskräfte waren hauptsächlich für die Mordanschläge verantwortlich. 1989 setzte die Regierung die verfassungsmässige und gesetzliche Grundlage für die Gründung von paramilitärischen Organisationen aus und erliess Richtlinien an die Sicherheitskräfte, sie zu bekämpfen und aufzulösen. Sie wurden aber weiterhin von den Sicherheitskräften unterstützt. In geringerem Masse waren auch die Guerillagruppen für die Morde verantwortlich.

 

Das allgemeine Bild

Die Zahl der ermordeten Gewerkschafter/innen war niedriger als 1997. Die Gewalt in der Bananenregion Urabá nahm ab, aber mehr als 270 Gewerkschafter/innen, hauptsächlich Gewerkschaftsführer/innen, erhielten Morddrohungen, während ungefähr 500 Gewerkschafter/innen, fast alle im Bezirk Antioquia, gezwungen wurden, ihre Wohnung zu verlassen. Einige verliessen das Land, und andere mussten mehrmals ihren Wohnsitz ändern.

Die Mitglieder der Lehrergewerkschaften, die dem Verband FECODE angehören, waren die Opfer der bei weitem meisten Rechtsverletzungen, gefolgt von den Gewerkschaften der Landarbeiter/innen und Bergleute. Wie in den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Gewalt gegen Gewerkschaftsmitglieder im wesentlichen auf die Ölraffineriestadt Barrancabermeja, den Sitz der Ölarbeitergewerkschaft USO.

Die Verletzung der Gewerkschaftsrechte hing oft mit Tarifverhandlungen, der Schliessung von Unternehmen, Massenentlassungen und Entlassungen wegen Gewerkschaftsarbeit zusammen. Die Morde nahmen im Vorfeld der Wahlen im Juni und während des landesweiten Streiks im Oktober zu.

 

Die Rolle der Gewerkschaften bei der Suche nach Frieden

Die Gewerkschaften haben ihre Rolle in der Zivilgesellschaft und insbesondere bei der Suche nach Frieden vergrössert. Am 15. und 16. Mai gründeten die nationalen Gewerkschaftsbünde CUT, CTC und CGTD, die im "Nationalen Einheitskommando" zusammengearbeitet hatten, gemeinsam das Forum "Arbeitnehmer/innen für den Frieden". Am 19. Mai veranstalteten die Gewerkschaften einen nationalen Tag für den Frieden. Das Nationale Einheitskommando war auch Teil der Ständigen Versammlung für Frieden, die am 30. und 31. Juli gegründet wurde.

In der ersten Jahreshälfte gab es unter der Leitung des scheidenden Präsidenten Samper einige Verbesserungen in den Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und den Behörden auf nationaler Ebene.

 

Gewerkschafter/innen, die 1998 ermordet wurden

Am 7. Januar wurde José Vicente Rincón, Mitglied der Gewerkschaft der Düngemittelindustrie SINTRAFERCOL, von paramilitärischen Kräften in Barrancabermeja in Santander ermordet.

Am 8. Januar wurde Arcángel Rubio Ramírez Giraldo, Mitglied der Gewerkschaft der Telekommunikationsangestellten SITTELECOM, von paramilitärischen Gruppen in Venecia, Cundinamarca, ermordet.

Am 12. Januar wurde Fabio Humerto Burbano Córdova, Vorsitzender des Cali-Verbandes der Gewerkschaft ASEINPEC, in Santander de Quilichao, Cauca, ermordet.

Das SINTREAINAGRO-Mitglied Miguel Angel Guette Orosco wurde am 27. Januar von bewaffneten Männern von aus seiner Wohnung abgeholt. Er wurde am nächsten Tag in der Aguja-Region von Ciénaga, Magdalena, tot aufgefunden.

Am 31. Januar wurden Osfanol Torres Cárdenas, Mitglied der